Begeistertes Publikum im Berner Tierspital

Vom Lauftraining für Hunde über Tests mit Seuchenschutzanzügen bis zum Ponyreiten: Das Berner Tierspital lockte am Tag der offenen Tür mit zahlreichen Attraktionen die Bevölkerung an.

Von Brigit Bucher und Martin Zimmermann

Armes Pferd! Es hat sich beim Galopp den Knöchel verstaucht. Ein Fall für die eifrigen Kinder-Tierärzte, die ihm unter fachkundiger Anleitung älterer Berufskollegen sofort einen Verband anlegen. Natürlich besteht das Pferd nur aus Plastik und natürlich sind die jungen «Tierärzte» keine ausgebildeten Veterinäre sondern besuchen zusammen mit ihren Eltern das Berner Tierspital. Dieses hat an diesem sonnigen Samstag seine Tore für die Bevölkerung geöffnet. Dutzende Mitarbeitende der Vetsuisse Fakultät präsentieren die grosse Bandbreite der veterinärmedizinischen Forschung, Lehre und Dienstleistungen an der Universität Bern.

Einer der Schwerpunkte des Anlasses liegt auf der frisch sanierten Pferdeklinik, welche im Februar nach zwei Jahren Umbau wieder ihren Betrieb aufgenommen hat. Interessierte dürfen hier übrigens nicht nur Pferdegliedmassen verarzten, sondern unter anderem auch üben, wie man den Rössern, respektive ihren künstlichen Ebenbildern, spezielle Zahnspangen zur Schienung eines Kieferbruchs anlegt. In einem Pavillon gleich neben der Pferdeklinik reiten derweil Kinder auf Ponys im Kreis. Der kurze Ausritt wird von «Super!»-Rufen der begeisterten Eltern und dem Klicken ihrer Kameras begleitet.

Ein «Hundeguezli» als Belohnung

Possierlich geht es auch in der Kleintierklinik zu und her, wo an normalen Tagen kranke oder verletzte Haustiere wie Hunde und Katzen untersucht und gepflegt werden. Eine Klinik-Mitarbeiterin demonstriert mithilfe eines Terriers, wie ein Wasserlaufband funktioniert. Das – übrigens vollkommen gesunde – Tier macht enthusiastisch mit, ganz zur Freude der Ärztin, die sogleich ein «Hundeguezli» als Belohnung springen lässt. Der Vierbeiner schüttelt zum Dank sein Fell und verpasst dem Publikum eine unfreiwillige Dusche.

Draussen, am Stand des Instituts für Virologie und Immunologie, lässt sich ein wagemutiger Jugendlicher trotz sommerlicher Temperaturen einen Schutzanzug anziehen und wird dekontaminiert – manche Tierkrankheiten, die von den Vetsuisse-Mitarbeitenden erforscht oder behandelt werden, können auch dem Menschen gefährlich werden, beispielsweise die Tollwut. Beim Umgang mit übertragbaren Krankheiten sei grösstmögliche Sorgfalt Pflicht, erläutert die Wissenschaftlerin am Stand. 

Auch ums Tierwohl, wenn auch auf eine ganz andere Art, geht es bei der Abteilung Tierschutz: Hier zeigen die Forschenden etwa anhand eines zweigeteilten Geheges auf, welche Haltungsbedingungen Küken bevorzugen. Ein Bett aus Holzstreu passt den Federknäueln offenbar besser als ein Plastikrost. Bloss gelegentlich verirrt sich eines der Tiere auf den Kunststoff-Boden.

Bienenforscher gewinnt Science Slam

Um die Mittagszeit herum weihen Vetsuisse-Dekan Andreas Zurbriggen und Andreas Luginbühl, Präsident des Vereins Alumni Vetsuisse, den «Alumni Corner», eine Sitzecke vor dem Dekanatsgebäude, ein – schliesslich seien Pausen für viele Alumni die wohl schönsten Erinnerungen ans Studium, kommentiert Luginbühl scherzhaft. Dank eines spontanen Auftritts der Kinderjugendtanzgruppe Kerzers im Vorfeld der Einweihung kommt sogar Volksfeststimmung auf. Gut besucht ist auch der Science Slam, am dem die Teilnehmerinnen und Teilnehmer ihr Forschungsgebiet in nur 10 Minuten vorstellen müssen. Der Gewinner: Peter Neumann, Professor für Bienengesundheit.

Insgesamt locken an diesem Samstag über 50 Attraktionen geschätzte 4000 Interessierte auf das Gelände des Tierspitals in der hinteren Länggasse. Entsprechend zufrieden zeigt sich Dekanatsleiterin Susanne Portner im Nachgang des Anlasses: «Die Besucherinnen und Besucher waren sehr zufrieden. Besonders schön ist, dass so viele Kinder gekommen sind.»
 

06.06.2015