Anstiftung zur Diskussion

Am Montag, 8. Mai 2017 bot die Philosophisch-historische Fakultät mit dem ersten Forschungstag ein Forum für den Austausch zwischen Forschenden, Mitarbeitenden und Studierenden. Die über 200 Teilnehmenden informierten sich über Projekte aus unterschiedlichsten Disziplinen und zahlreiche Unterstützungsangebote der Universität Bern.

Von Ariane Lorke

Der erste Forschungstag der Philosophisch-historischen Fakultät stand ganz im Zeichen des Austauschs: «Gegenseitiges Kennenlernen, Anstiften zur Diskussion und Präsentation der Vielfalt der Forschung an unserer Fakultät», erklärte Dekanin Virginia Richter in ihrer Eröffnungsansprache die Ziele des Forschungstages.

Neben der Präsentation ausgewählter Projekte in verschiedenen Formaten stellten zentrale Einrichtungen der Universität ihre Service- und Beratungsangebote insbesondere für den wissenschaftlichen Nachwuchs vor.

Raum und Zeit für Ideen

Zunächst präsentierten sich die drei fakultären Forschungsplattformen. Sie arbeiten seit maximal einem Jahr zu so unterschiedliche Themen wie «Original – Kopie: Techniken und Ästhetiken der Reproduzierbarkeit», «Migration: Kompetenzen bündeln – Impulse setzen – Grundlagen schaffen (MIKO)» oder dem lateinischen Flavius Josephus in seiner christlichen und jüdischen Rezeption. Die Plattformen ermöglichen den wissenschaftlichen Austausch zwischen Forschenden, die zu verwandten Bereichen arbeiten, und entwickeln so mit grossem freiwilligen Engagement Innovationsfelder. Über den guten Zulauf und das Interesse freute sich daher Prof. Dr. Michael Stolz von der Forschungsplattform «Original – Kopie»: «Das motiviert uns zum Weitermachen.» Und PD Dr. Kristina Schulz (MIKO) ergänzte, dass «dabei auch Informationen geflossen und Ideen entstanden sind, die anderweitig nie Raum und Zeit haben.»

Service und Austausch

Über Mittag präsentierte das Vizerektorat Forschung seine Dienstleistungen für den wissenschaftlichen Nachwuchs und stand während der anschliessenden Servicemesse für Fragen zur Verfügung. Weitere zentrale Dienstleister der Universität nutzten die Gelegenheit, ihre Angebote in der grössten Fakultät der Universität Bern vorzustellen: das Zentrum für universitäre Weiterbildung, die Beratungsstelle der Berner Hochschulen, die Universitätsbibliothek und andere. Das gemeinsame Mittagessen bot parallel dazu Gelegenheit zum informellen Austausch.

Den 16 Teilnehmenden an der Postersession war es zu verdanken, dass das übliche Mittagstief ausblieb; denn ihre spannenden Projekte zogen das grösste Interesse an diesem Tag auf sich. Rund hundert Besucherinnen und Besucher liessen sich zunächst erklären, woran die Doktorierenden und Postdoktorierenden derzeit arbeiten und entschieden dann über das beste Wissenschaftsposter. In einem spannenden Kopf-an-Kopf-Rennen wurde schliesslich ein Gemeinschaftsprojekt des Instituts für Anglistik als Sieger auserkoren, in dem fünf Doktorierende und Master-Studierende die Entwicklung englischer Sprachvarianten in Mikronesien erforschen. «Unser Team ist von der Vielfalt der historischen, kulturellen, sozialen und linguistischen Vielfalt der Inseln in Mikronesien fasziniert, und genau das wollten wir durch unser Poster vermitteln. Es freut uns, dass uns dies anscheinend gelungen ist», sagten die Teammitglieder. Für ihr Poster wurden sie mit einem Posterpreis in Höhe von CHF 500 ausgezeichnet.

Informativer und kulinarischer Abschluss

Am Ende des Tages nahm Dr. Ruramisai Charumbira die Anwesenden mit ins koloniale Afrika des 19. Jahrhunderts. Unter dem Titel «Alfred Beit and the Making of British Southern Africa: Rethinking Empire and its Legacy» stellte sie in einem lebhaften Vortrag eine von ihr entwickelte experimentelle Methodik vor, die versucht, individuelle und soziokulturelle Biographien miteinander zu verweben. Es war der erste Auftritt an der Fakultät für die US-Amerikanerin, die seit Anfang 2017 als Senior Fellow am Walter Benjamin Kolleg assoziiert ist, der Einrichtung für alle interdisziplinären Initiativen an der Phil.-hist. Fakultät. «I had a great time and thought it a success» dankte Charumbira dem Organisationsteam.

Beim abendlichen Barbecue wurde dann ein weiteres Ziel von Dekanin Richter umgesetzt: «Nicht zuletzt sollte uns der Forschungstag daran erinnern, dass es zum Forschen einer Gemeinschaft bedarf, die mehr ist als ein Netzwerk. Und wie liesse sich das besser ausdrücken, als im gemeinsamen Essen und Feiern?»

DER PHIL.-HIST. FORSCHUNGSTAG

Der erste Phil.-hist. Forschungstag hat am Montag, 8. Mai in der Unitobler stattgefunden. Organisiert worden war er vom Walter Benjamin Kolleg und dem Dekanat der Phil.-hist. Fakultät der Universität Bern. Ziel des Forschungstages ist, dass der Austausch und der Kontakt unter den Forschenden, Mitarbeitenden und Studierenden intensiviert wird und die Forschung an der Phil.-hist. Fakultät in ihrer ganzen Vielfalt präsentiert werden kann. Mit über 200 Besucherinnen und Besuchern war der erste Forschungstag ein voller Erfolg.

DIE PHIL.-HIST. FAKULTÄT DER UNIVERSITÄT BERN

Die Philosophisch-historische Fakultät der Universität Bern bietet ein lebendiges und innovatives Umfeld für geistes- und kulturwissenschaftliche Studien. Zum breiten Fächerspektrum der Fakultät gehören klassische Disziplinen wie die Geschichts-, die Sprach- und Literaturwissenschaften. Hinzu kommen Fächer wie die Kunstwissenschaften, darunter die Kunstgeschichte und Musikwissenschaft sowie die in der Schweiz alleine in Bern angebotenen Disziplinen Theaterwissenschaft und Tanzwissenschaft. Weitere Schwerpunkte sind die Philosophie, die Islam- und Religionswissenschaft, die Archäologie und die Sozialanthropologie. Das Walter Benjamin Kolleg ist die Anlaufstelle für interdisziplinäre Forschung sowie für Nachwuchsförderung und die Heimat der Graduiertenschule.

Zur Person

Dr. des. Ariane Lorke leitet die Geschäftsstelle des Walter Benjamin Kollegs und organisierte den Forschungstag.

11.05.2017