Wer die Wahl hat...

Die Bachelorinformationstage an der Uni Bern vom 6. und 7. Dezember boten Studieninteressierten die Möglichkeit, sich über die Universität und die verschiedenen Studienfächer zu informieren. Wie entscheiden sich die jungen Frauen und Männer für eine Studienrichtung und den Studienort? «uniaktuell» hat einigen von ihnen auf den Zahn gefühlt.

Von Ivo Schmucki

Vom Samichlaus ist in diesen Tagen weit und breit keine Spur auf der grossen Schanze. Und auch im Hauptgebäude der Universität erinnert wenig daran, dass Weihnachten vor der Tür steht: Hier findet man Check-in-Schalter und Wegweiser zu verschiedenen Gates. Wie immer an den Bachelorinformationstagen wurde der Eingangsbereich des Hauptgebäudes im Stile einer Abflughalle eingerichtet. Wie bei einer Flugreise gibt es auch vor einem Studium wichtige Entscheidungen zu fällen: Wo soll es hingehen und welche ist die passende Airline?

Warum gerade Bern?

Von der Abflughalle haben viele der Berner Besucherinnen und Besucher den Weg in die Aula gefunden, wo sie von Bruno Moretti, Vizerektor Lehre, offiziell an den Bachelorinformationstagen willkommen geheissen wurden. Er präsentierte viele interessante Fakten zur Uni Bern und brachte den Zuhörenden nahe, weshalb sich ein Studium hier lohnt. Anschliessend konnten die Anwesenden bei einem Online-Voting per Smartphone angeben, ob sie sich schon entschieden haben, was und wo sie studieren wollen. Innert Kürze haben über 230 Leute abgestimmt. Das Verdikt: Ungefähr ein Viertel weiss zwar schon was sie studieren möchten, aber noch nicht wo. Fast die Hälfte der Teilnehmenden haben sich weder bezüglich Studienfach, noch Studienort bereits entschieden.

Verschiedene Entscheidungskriterien

Alina Pulfer, Arianna Sclabas, Eva Burgunder und Sandra Baumberger sind vom Gynmasium Burgdorf nach Bern gereist. Auch bei ihnen sind noch nicht alle fest entschlossen. Während Arianna Sclabas und Sandra Baumberger in Richtung Medizin oder Veterinärmedizin tendieren, könnte sich Alina Pulfer ein Studium an der PH, in Psychologie oder aber auch Tourismus vorstellen. Eva Burgunder zieht es in Richtung Biomedizinische Wissenschaften.

Während sie bei der Wahl des richtigen Studienfachs meist den persönlichen Interessen folgen, kommen beim Studienort verschiedene Kriterien ins Spiel. Arianna Sclabas sagt dazu, dass sie im Sportverein sehr aktiv sei und dies nicht wegen eines Studiums an einer weit entfernten Uni aufgeben möchte. Deshalb tendiere sie dazu, in der Nähe zu bleiben und in Bern zu studieren. Auch Sandra Baumberger möchte lieber nicht zu weit weg: «Eine WG wäre auch eine Möglichkeit, aber das Hotel Mama ist natürlich praktisch.» Ein weiteres Kriterium nennt Alina Pulfer: «Es ist für mich wichtig, dass es ein guter Abschluss ist, damit ich die Möglichkeit habe, später mal im Ausland zu arbeiten.»

Der Studienbeginn liegt für Gymnasiastinnen noch in weiter Ferne. Es eilt nicht mit der Entscheidung – sie wollen ihr Studium erst 2018 beginnen. Die beiden, die eine medizinische Studienrichtung einschlagen möchten, machen die Entscheidung vom Bestehen des Numerus Clausus abhängig: «Wenn wir bestehen, würden wir wohl gleich im Herbst anfangen», sagen Arianna Sclabas und Sandra Baumberger.

Von den Studierenden lernen

Simeon Yasmin aus Langenthal hat weniger Kriterien bei der Auswahl einer Universität: «Ich möchte nicht allzu lange Zug fahren, aber sonst ist es mir nur wichtig, dass ich ein gutes Lernumfeld vorfinde.» Er möchte einmal Ingenieurswissenschaften studieren. Da er sich aber auch für die Fächer Mathematik und Physik interessiert, hat er sich für einen Besuch an den Bachelorinformationstagen in Bern entschieden.

Um an die relevanten Informationen zu gelangen, hat sich Simeon Yasmin an verschiedenen Ständen umgesehen: «Ich finde es gut, dass dort Studierende anzutreffen sind. So kann man sich direkt bei Leuten informieren, die den Alltag an einer Uni schon kennen.» Auch das Angebot an den Informationstagen stimmt für ihn: «Es ist alles gut organisiert, das kann ich loben. Die Idee mit dem Flughafen finde ich cool.»

Sie kommen von weit her

Am zweiten Tag der Bachelorinformationsveranstaltung sind an der Uni Bern überwiegend ausserkantonale Besucherinnen und Besucher anzutreffen. Wie sich herausstellt, kommen sie mit sehr konkreten Vorstellungen nach Bern. Christian Caruso aus dem Kanton Tessin und Valentin Meyer aus dem Kanton Luzern wissen beide schon, dass sie ein Studium an der Universität Bern absolvieren möchten. Christian Caruso in den Fächern Sport und BWL, Valentin Meyer in Geografie und Sport. Für beide ist die Uni Bern als Studienort das Naheliegendste. Valentin Meyer sagt dazu: «Je nach Fächerkombination bleiben nicht viele Optionen. Wenn ich mich im Freundeskreis über das Studium unterhalte, kommen wir schnell auf Bern.»

Germanistik, Geschichte oder doch Mathematik, Bern oder Zürich – Angela Gamma aus dem Kanton Zug möchte sich ihre Optionen noch offenlassen. Auch Leo Wittwer, ebenfalls aus Zug, hat sich bezüglich Studienfach und -ort noch nicht entschieden: «Ich habe viele Ideen, es wird wohl etwas Gestalterisches werden.» Die beiden wissen aber genau, was sie von ihrer zukünftigen Uni erwarten: «Die Gebäude sollten mir gefallen, die Atmosphäre muss stimmen», sagt Angela Gamma und Leo Wittwer ergänzt: «Es kommt nicht nur auf die Vorlesungen an, sondern auch auf das Drumherum.» Um sich ein Bild von Unialltag machen zu können, haben am Infotag beide eine Vorlesung besucht. «So kriegt man es gutes Gefühl dafür, wie das Studium wirklich sein wird», sagt Angela Gamma dazu.

Viele der jungen Männer und Frauen an den Bachelorinformationstagen wissen noch nicht, wohin sie ihre Reise führt. Das Gespräch mit ihnen bringt die vielen Facetten zum Vorschein, die bei der wichtigen Entscheidung zum Studium eine Rolle spielen. Einige wollen sich einfach noch Zeit lassen, weil der Studienbeginn doch noch weit weg ist. Andere beschäftigen sich bereits mit konkreten Fragen zum Studienort und -fach. Wenn die Bachelorinformationstage die zukünftigen Studierenden bei der Entscheidungsfindung einen Schritt weiterbringen, haben sie ihren Zweck erfüllt.

Zum Autor

Ivo Schmucki ist Hochschulpraktikant Corporate Communication an der Universität Bern.

08.12.2016