«Man muss die Leute in der ersten Minute packen»

Vom CV-Check über Jobinterview-Trainings bis zu Bewerbungsfoto-Shootings: Studierende der Uni Bern konnten an der zweiten «Langen Nacht der Karriere» am Donnerstag, 10. November 2016, ausgiebig Tipps für ihre berufliche Karriere sammeln. «uniaktuell» hat drei von ihnen getroffen.

Von Martin Zimmermann

Im grossen Saal der UniS findet für einmal keine Vorlesung statt, sondern ein Shooting für Bewerbungsfotos, im stilvoll ausgeleuchteten Foyer plaudern Studierende an der «Networking Bar» mit Vertreterinnen und Vertretern von Unternehmen, im «Beratungscafé» nebenan geben Fachleute der Studierendenberatung bei Kaffee und Kuchen Tipps zum Berufseinstieg – willkommen an der zweiten «Langen Nacht der Karriere» der Universität Bern.

Mit dem jährlich im November stattfindenden Anlass will die Universität Bern ihre Studierenden optimal aufs Berufsleben vorbereiten. Das Interesse ist gross: Hunderte Studierende haben sich an diesem kalten Donnerstagabend in der UniS eingefunden, um sich in Sachen Bewerbung fit zu machen, Arbeitgeber persönlich kennenzulernen und in lockerer Atmosphäre Kontakte zu knüpfen.

Surprise en français

Eine von ihnen ist Eyvonne Ranjan. Ranjan studiert im neunten Semester Englisch und Erziehungswissenschaften. Die Tochter einer Englischlehrerin könnte sich vorstellen, in die beruflichen Fussstapfen ihrer Mutter treten, wie sie sagt. Für Berufseinsteigerinnen wie sie biete die «Lange Nacht der Karriere» äusserst hilfreiche Angebote wie CV-Checks oder Jobinterview-Trainings. «Während des Gesprächs-Trainings hat mir die Interviewerin zum Beispiel aus dem Nichts eine Frage auf Französisch gestellt, weil ich im CV meine Französisch-Kenntnisse als ‹gut› angegeben habe», erzählt die 23-Jährige und lacht. «Mir sind natürlich nur Antworten auf Englisch in den Sinn gekommen!» Auf solche Überraschungen sei sie nun besser vorbereitet.

Der hydraulische Anwalt

Überraschungen hat die «Lange Nacht der Karriere» auch für David Weimann, 25, zu bieten. Am «Powerpoint Karaoke» musste der Masterstudent der Rechtswissenschaften ohne jegliche Vorbereitung einen 4-minütigen Vortrag halten – über Hydraulik-Motoren. Für den angehenden Anwalt nicht nur ein «sehr, sehr lustiges Erlebnis», sondern auch eine gute mentale Vorbereitung auf unvorhergesehene Situationen im Berufsalltag. «Man wird ins kalte Wasser geworfen, aber ohne den Druck, dass man sich blamieren könnte», resümiert Weimann. Geschätzt habe er auch die Styling-Tipps am Fotoshooting. Ein professionelles Porträtfoto gehöre heutzutage einfach zum Bewerbungsdossier dazu.

Die wichtigste Lektion

Bigna Krause schliesst im Sommer 2017 ihren Bachelor und Betriebswirtschaftslehre ab und hat noch keine klaren beruflichen Vorstellungen. «Ich habe gehört, dass die SBB gute Praktika anbieten; das würde mich interessieren», sagt die 22-Jährige. An der «Langen Nacht der Karriere» überzeugt haben sie insbesondere die diversen Workshops, zum Beispiel «Rhetorik – Einfach überzeugen» des Zentrums für universitäre Weiterbildung ZUW. Dabei wurden die Teilnehmerinnen und Teilnehmer während eines Probe-Bewerbungsgesprächs gefilmt und erhielten anschliessend eine ausführliche Rückmeldung zu Gestik und Rhetorik. Was ist die wichtigste Lektion aus Krauses Sicht? «Wenn man an einem Bewerbungsgespräch überzeugen will, muss man die Leute gleich in der ersten Minute packen!»

Gut besuchte «Lange Nacht der Karriere»

Die zweite «Lange Nacht der Karriere» am 10. November 2016 lockte rund 880 Besucherinnen und Besucher in die UniS. Der Anlass war laut Projektleiterin Caroline Schmid vom Career Service der Universität Bern sehr gut besucht: «Wir haben die Besuchszahlen von 2015 deutlich übertroffen.» Die «Lange Nacht der Karriere» ist eine gemeinsame Veranstaltung der Career Services der Schweizer Hochschulen. Der landesweit gleichzeitig stattfindende Anlass ist nicht als Jobmesse konzipiert, sondern bietet ein vielseitiges, interaktives Programm, das die Organisatoren jeweils zusammen mit Arbeitgebern, Fachleuten und Alumni entwickeln.

Zum Autor

Martin Zimmermann ist freier Wissenschaftsredaktor.

11.11.2016