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Acht Forschende der Universität Bern erhalten den Pfizer Forschungspreis

Der Pfizer Forschungspreis wird jungen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern verliehen, die an Schweizer Forschungsinstituten oder Spitälern herausragende und zukunftsweisende Beiträge im Bereich Grundlagenforschung oder klinische Forschung erbracht haben. Dieses Jahr wurden unter anderen acht Forschende der Universität Bern und des Inselspitals ausgezeichnet: Mercedes Gomez de Agüero, Stephanie C. Ganal-Vonarburg, Carolina Gutierrez Herrera, Antoine Adamantidis, Carsten Riether, Christian Schürch, Philipp Latzin und Sophie Yammine.

Von Stiftung Pfizer Forschungspreis und Corporate Communication Universität Bern

Seit 1992 wird der Pfizer Forschungspreis jährlich von der Stiftung Pfizer Forschungspreis auf Antrag von unabhängigen wissenschaftlichen Kommissionen vergeben. Er hat sich als einer der renommiertesten Medizin-Preise der Schweiz etabliert und wurde am 26. Januar 2017 bereits zum 26. Mal verliehen. An die 25 ausgezeichneten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler wurde eine Preissumme von insgesamt 180'000 Franken vergeben.

Frühzeitige Stärkung der Neugeborenen-Immunität durch die mütterliche Darmflora

Ausgezeichnet wurden im Bereich Infektiologie, Rheumatologie und Immunologie Dr. Mercedes Gomez de Agüero und Dr. Stephanie C. Ganal-Vonarburg für ihre Arbeit The maternal microbiota drives early postnatal innate immune development. Bisher wurde angenommen, dass die Besiedlung der Darmflora mit Mikroben nach der Geburt als treibende Kraft zur Entwicklung des Immunsystems beim Neugeborenen gilt. Die Forscherinnen führten eine vergleichende Untersuchung bei Nachkommen von Mäusen durch, von denen die eine Gruppe während der Tragezeit mit Bakterien besiedelt wurde, während die Kontrollgruppe keimfrei blieb. So konnten sie zeigen, dass Signale der mütterlichen Darmflora schon während der Trächtigkeit und Stillzeit auf die neugeborenen Mäuse übertragen werden. Dadurch kommt es bereits frühzeitig zu einer Stärkung des Neugeborenen-Immunsystems, und dieses wird auf die Besiedelung und das Zusammenleben mit der eigenen Darmflora vorbereitet.

Dr. Mercedes Gomez de Agüero

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Mercedes Gomez de Agüero hat an den Universitäten von Madrid (Spanien) und Lyon (Frankreich) Biologie studiert. Sie promovierte an der Claude-Berard Universität Lyon und erhielt 2012 ihren PhD in Immunologie-Allergologie. Das Hauptaugenmerk ihrer Forschung im Labor von Dr. Kariserlian und Dr. Betrand Dubois am Institut national de la santé et de la recherche médicale (INSERM) in Lyon lag auf der Rolle von Immunzellen der Haut bei der Hautverträglichkeit von unschädlichen Chemikalien. Während ihrer Zeit als Postdoktorandin im Labor von Prof. Andrew Macpherson und Prof. Kathy McCoy an der Universität Bern untersuchte sie den Einfluss der mütterlichen mikrobiellen Flora auf die Entwicklung des Immunsystems von Neugeborenen. Diese Forschung führt sie auch in ihrer aktuellen Position als SNF-Ambizione geförderte junior group leader am Departement Klinische Forschung fort.

Kontakt:

Dr. Mercedes Gomez de Agüero Tamargo
Departement Klinische Forschung, Forschungsgruppe Gastroenterologie / Mukosale Immunologie
Universitätsklinik für Viszerale Chirurgie und Medizin, Gastroenterologie, Inselspital Bern
T direkt: +41 31 632 49 73
Email: mercedes.gomez@dkf.unibe.ch

Dr. Stephanie C. Ganal-Vonarburg

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Stephanie Ganal-Vonarburg hat in Freiburg (Deutschland) und in Vancouver (Kanada) Molekulare Medizin studiert. Sie promovierte 2013 an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg am Institut für Medizinische Mikrobiologie und Hygiene bei Prof. Andreas Diefenbach über die Rolle der natürlichen Darmflora in der Reifung des angeborenen Immunsystems. Im Anschluss wechselte sie an die Universität Bern, wo sie am Departement Klinische Forschung in der Arbeitsgruppe von Prof. Andrew Macpherson und Prof. Kathy McCoy als Postdoc tätig war. Für ihr dortiges Forschungsprojekt zur Untersuchung der Funktion der mütterlichen Darmflora für die Entwicklung des neugeborenen Immunsystems erhielt sie ein Marie Curie Intraeuropean Fellowship und ein EMBO Longterm Fellowship. Seit September 2016 ist Stephanie Ganal-Vonarburg als Oberassistentin in der Forschungsabteilung Gastroenterologie/mukosale Immunologie des Inselspitals tätig.

Kontakt:

Dr. Stephanie Ganal-Vonarburg
Departement Klinische Forschung, Forschungsgruppe Gastroenterologie / Mukosale Immunologie
Universitätsklinik für Viszerale Chirurgie und Medizin, Gastroenterologie, Inselspital Bern
T direkt: +41 31 632 49 73
Email: stephanie.ganal@dkf.unibe.ch

Das ausgezeichnete Forschungsprojekt

Mercedes Gomez de Agüero*, Stephanie C. Ganal-Vonarburg*, Tobias Fuhrer, Sandra Rupp, Yasuhiro Uchimura, Hai Li, Anna Steinert, Mathias Heikenwalder, Siegfried Hapfelmeier, Uwe Sauer, Kathy D. McCoy* and Andrew J. Macpherson*. The maternal microbiota drives early postnatal innate immune development, Science, 18. März 2016, Vol. 351, Issue 6279, pp. 1296-1302. doi: 10.1126/science.aad2571.

*These authors contributed equally to this work.

http://science.sciencemag.org/content/351/6279/1296

Vgl. dazu auch die Medienmitteilung von Inselspital und Universität Bern

Entdeckung eines Hirn-Kreislaufes für Weckfunktion und Bewusstsein

Im Bereich Neurowissenschaften und Erkrankungen des Nervensystems wurden Dr. Carolina Gutierrez Herrera und Prof. Antoine Adamantidis für die Arbeit Hypothalamic feedforward inhibition of thalamocortical network controls arousal and consciousness geehrt. Sie untersuchten einen der vielen Aspekte des Schlafes, die noch nicht geklärt sind. Das Ziel der Forscher war, besser zu verstehen, wie das Hirn den Schlaf und die Wachphasen kontrolliert. Dr. Gutierrez Herrera und Prof. Adamantidis erforschten dies bei sich frei bewegenden Mäusen mit Hilfe von neuen optogenetischen Technologien. So konnten sie Nervenzellen in der Hirnregion Hypothalamus, die mit dem Thalamus kommunizieren, entweder aktivieren oder in einen Ruhezustand versetzten. Sie fanden heraus, dass eine Aktivierung dieser Nervenzellen während des Schlafes dazu führte, dass die Mäuse erwachten, während eine Hemmung zur Stabilisierung des Schlafes führte. Diese Resultate aus dem Tiermodell könnten helfen, neue Ansatzpunkte für die Therapie von Schlafstörungen zu identifizieren.

Dr. Carolina Gutierrez Herrera

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Carolina Gutierrez Herrera studierte im Bachelor Biologie in Mexiko und im Master Biochemie und Molekularbiologie in New Mexico (USA). Sie promovierte an der University of Calgary in Neurowissenschaften zur Rolle des Membranproteins Neuroligin bei der Umformung von synaptischen Verbindungen. Im Anschluss war sie zuerst an der University of Calgary und dann an der McGill University (Montreal) in der Gruppe von Prof. Adamantidis als Postdoktorandin tätig. Sie war häufig in der Lehre tätig, präsentierte an verschiedensten Kongressen und erhielt zahlreiche Auszeichnungen und Stipendien. Ihre Forschung wandte sie auch als wissenschaftliche Beraterin in der Privatwirtschaft an. Aktuell ist sie Research associate in der Gruppe von Prof. Adamantidis am Zentrum für experimentelle Neurologie (ZEN).

Kontakt:

Dr. Carolina Gutierrez Herrera
Universitätsklinik für Neurologie, Inselspital Bern
T direkt: +41 31 632 11 46
Email: carolina.gutierrez@insel.ch

Prof. Antoine Adamantidis

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Prof. Antoine Adamantidis ist in Tourcoing (Frankreich) geboren und in Belgien aufgewachsen. Die Universität Liege (Belgien) verlieh ihm 2005 den PhD für seine Doktorarbeit über die Charakteristik der physiologischen Funktion der melanin-konzentrierten Hormonrezeptoren von Mäusen. Von 2006 bis 2008 arbeitete er als Postdoktorand bei Prof. Luis de Lecea an der Stanford University of Medicine (Kanada). Von 2008 bis 2010 war er als wissenschaftlicher Mitarbeiter für das Departement of Psychiatry and Biological Sciences an der Stanford University of Medicine (Kanada) tätig. 2010 wechselte er zum Department of Psychiatry der McGill Universität in Montreal (Kanada), wo er ein Labor über die optogenetische Dissektion von Schlaf-Wach-Stadien gegründet hat. Seit Januar 2014 ist er als Assistenzprofessor an der Universitätsklinik für Neurologie des Berner Inselspitals tätig. Für seine Forschung zum Schlaf-Wach-Zyklus erhielt er im Dezember 2016 einen der prestigeträchtigen ERC Consolidator Grants des Europäischen Forschungsrates (vgl. dazu die Medienmitteilung der Universität Bern).

Kontakt:

Prof. Dr. Antoine Roger Adamantidis
Universitätsklinik für Neurologie, Inselspital Bern
T direkt: +41 31 632 55 93
Email: Antoine.Adamantidis@insel.ch

Resistente Leukämiestammzellen durch Kombinationstherapie endgültig eliminieren?

Im Bereich Onkologie geht ein Forschungspreis an PD Dr. Carsten Riether und Dr. Christian Martijn Schürch für ihre Arbeit auf dem Gebiet der Krebstherapie. Die chronische myeloische Leukämie (CML) ist eine bösartige Erkrankung des blutbildenden Systems und wird heute mit sogenannten Tyrosinkinase-Inhibitoren (TKI) behandelt, mit dem Ziel eine weitgehende Normalisierung des Blutbildes zu erreichen. Das sogenannte CD70/CD27 Ligand-Rezeptorpaar spielt eine wichtige Rolle für das Überleben der Leukämie-Stammzellen. Da TKI neben ihrer therapeutischen Wirkung aber auch zu einem vermehrten Auftreten von CD70 auf den Leukämie-Stammzellen führen, kann es zu einer Therapieresistenz, sprich einem nicht mehr Ansprechen auf die TKI Behandlung kommen. Aus diesem Grund versuchten Dr. Riether und Dr. Schürch diesen Resistenz-Mechanismus durch eine Kombinationstherapie von TKI und Anti-CD70 Antikörpern zu überwinden. Sie konnten im Mausmodell die Leukämie-Stammzellen vollständig eliminieren und die CML heilen.

PD Dr. Carsten Riether

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Carsten Riether hat in Freiburg i. Br. (Deutschland) und Strasbourg (Frankreich) Biologie und Biotechnologie studiert. 2008 promovierte er an der ETH Zürich bei Prof. Manfred Schedlowski zur Modulation von Immunzellen durch das sympathische Nervensystem. 2009 wechselte er in die Arbeitsgruppe Tumorimmunologie am Department Medizinische Onkologie des Inselspitals Bern als Postdoc, wo er ab 2013 begann, seine eigene Arbeitsgruppe aufzubauen. 2015 wurde ihm die Venia Docendi im Fach Experimentelle Onkologie verliehen.

Kontakt:

PD Dr. Carsten Riether
Departement Klinische Forschung, Forschungsgruppe Tumor-Immunologie
T direkt: +41 31 632 09 56
Email: carsten.riether@dkf.unibe.ch

Dr. Christian Martijn Schürch

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Christian Schürch hat an der Universität Bern Medizin studiert und promovierte 2007. Danach folgte ein Doktorat in Tumor-Immunologie bei Prof. Ochsenbein am Departement Klinische Forschung im Rahmen eines nationalen MD-PhD Stipendiums des SNF. Seine Dissertation über die Kontrolle der Leukämiestammzellen durch das Immunsystem wurde 2013 mit dem «Best PhD Thesis Award» ausgezeichnet. Seit 2011 verfolgt er die Weiterbildung zum Facharzt für Pathologie FMH bei Prof. Perren in Bern mit einjähriger Schwerpunktweiterbildung in Hämatopathologie bei Prof. Fend in Tübingen (DE). Seine Forschungsinteressen sind Leukämiestammzellen, das Knochenmarks-Microenvironment und die Rolle des Immunsystems bei hämatologischen Erkrankungen, insbesondere bei Leukämien und myeloproliferativen Neoplasien.

Kontakt:

Dr. Christian Schürch
Institut für Pathologie
T direkt: +41 31 632 32 01
Email: christian.schuerch@pathology.unibe.ch

Das ausgezeichnete Forschungsprojekt

Carsten Riether*, Christian M. Schürch*, Christoph Flury, Magdalena Hinterbrandner, Linda Drück, Anne-Laure Huguenin, Gabriela M. Baerlocher, Ramin Radpour and Adrian F. Ochsenbein. Tyrosine kinase inhibitor–induced CD70 expression mediates drug resistance in leukemia stem cells by activating Wnt signaling, Science Translational Medicine, 29 Jul 2015, Vol. 7, Issue 298, pp. 298ra119. doi: 10.1126/scitranslmed.aab1740. 

*These authors contributed equally to this work.

http://stm.sciencemag.org/content/7/298/298ra119

Vgl. dazu auch die Medienmitteilung von Inselspital und Universität Bern

«Entwicklung von Lungenbläschen auch nach der Geburt möglich»

Es ist bekannt, dass die Lunge (beim im Mutterleib heranwachsenden Kind) zu den am spätesten entwickelten Organen gehört und Frühgeborene ein erhöhtes Risiko für kurz- und langfristige Lungenerkrankungen aufweisen. Dr. Yammine und Prof. Latzin verglichen mittels einer sensiblen Gasauswaschmethode die Lungenfunktion frühgeborener und termingerecht geborener Kinder im Schulalter und konnten zum ersten Mal zeigen, dass ein eigenständiges Entwicklungsmuster der gasaustauschenden Lungenbläschen und der gasleitenden Atemwege besteht. Während sich die Lungenbläschen bei Frühgeborenen bis zum Schulalter weiterentwickelten und der dortige Gasaustausch altersgerecht normal ausgereift war, zeigte sich die Funktion der gasleitenden Atemwege bei Frühgeborenen im Vergleich zu termingerecht geborenen Kindern im Schulalter eingeschränkt.

Dr. med. Sophie Yammine, PhD

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Sophie Yammine hat an der Universität Fribourg und Bern Medizin studiert und promovierte 2005. Ihre Doktorarbeit schloss sie in einer tierexperimentellen Studie bei PD Dr. Bendicht Wagner an der Universität Bern ab. Ihren Facharzt Pädiatrie erhielt sie 2012. Im Anschluss führte sie unter der Leitung von Prof. Philipp Latzin ihren MD-PhD an der Universität Bern durch zur klinischen Anwendung neuer Lungenfunktionsmessungen. Seit 2015 ist sie in der Kinderklinik des Inselspitals als Assistenzärztin tätig zur Schwerpunktweiterbildung in pädiatrischer Pneumologie. Ihre Forschung führt sie auch in der aktuellen Position fort mit dem Schwerpunkt in Lungenfunktionsmessungen und Lungenphysiologie.  

Kontakt:

Dr. med. Sophie Yammine, PhD
Universitätsklinik für Kinderheilkunde, Inselspital Bern
Assistenzärztin
FMH Pädiatrie, in Weiterbildung FMH pädiatrische Pneumologie
sophie.yammine@insel.ch

Prof. Dr. med. Philipp Latzin, PhD

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Prof. Latzin kommt aus München und hat dort 2002 sein Medizinstudium an der LMU abgeschlossen. Anschliessend doktorierte er im Bereich Kinderpneumologie und begann seine Ausbildung als Kinderarzt im Haunerschen Kinderspital. 2005 ging er für einen Forschungsaufenthalt im Bereich der Lungenentwicklung an die Universität Bern, den er 2008 mit einem PhD in Epidemiologie abschloss. Anschliessend setzte er seine klinische Ausbildung am Inselspital Bern fort. 2010 erlangte er den FMH Pädiatrie, 2012 den FMH Kinderpneumologie, gefolgt von seiner Habilitation. Im Juli 2013 wechselte er auf eine Tenure-Track-Assistenz-Professur für pädiatrische Pneumologie an das Universitätskinderspital Beider Basel (UKBB). Prof. Latzin beschäftigt sich u.a. mit der Entwicklung neuer Methoden für Lungenfunktionsmessungen bei Säuglingen und Kleinkindern, v.a. mit Cystischer Fibrose. In diesem Bereich versucht Prof. Latzin Veränderungen der Lunge durch Lungenfunktionstests besser darzustellen und die klinische Betreuung dieser Patienten zu vereinfachen. Zudem interessiert sich Prof. Latzin für den Einfluss von frühkindlichen Faktoren auf das Lungenwachstum bei Säuglingen mit und ohne Lungenerkrankungen.  Er erhielt bereits mehrere Forschungspreise, unter anderem den Klosterfrau-Forscherpreis für seine Arbeiten zu den negativen Effekten der Feinstaubbelastung auf die Lungenentwicklung während der Schwangerschaft.

Kontakt:

Prof. Dr. med. Philipp Latzin, PhD
Universitätsklinik für Kinderheilkunde, Inselspital Bern
Extra-Ordinarius Universität Bern
FMH Pädiatrie und FMH pädiatrische Pneumologie
Telefon direkt: +41 31 632 96 54
Email: philipp.latzin@insel.ch

Das ausgezeichnete Forschungsprojekt

Sophie Yammine, Anne Schmidt, Oliver Sutter, Sotirios Fouzas, Florian Singer, Urs Frey, Philipp Latzin. Functional evidence for continued alveorisation in former preterms at school age? Eur Respir J. 2016 Jan; 47(1): 147-155 

26.01.2017