Forschende der Uni Bern mit renommiertem Medizin-Preis ausgezeichnet

Der Pfizer Forschungspreis hat sich als einer der renommiertesten Medizin-Preise der Schweiz etabliert. Unter den diesjährigen Ausgezeichneten sind Mirko Santello, Thomas Nevian, Moana Mika und Insa Korten, die für ihre Arbeit in den Bereichen Neurowissenschaften und Kinderheilkunde an der Uni Bern und am Inselspital mit einem Preis geehrt werden.

Seit 1992 wird der Pfizer Forschungspreis jährlich von der Stiftung Pfizer Forschungspreis auf Antrag von unabhängigen wissenschaftlichen Kommissionen in den Bereichen Grundlagenforschung und klinische Forschung verliehen. Mit der diesjährigen 25. Preisverleihung am Donnerstag, 28. Januar ehrt die Stiftung Pfizer Forschungspreis weitere 26 von nun insgesamt 283 Wissenschaftlern und fördert mit einer Preissumme von mittlerweile über 5.5 Millionen Schweizer Franken die medizinische Forschung in der Schweiz.

Auf dem Weg zu einer Therapie gegen chronische Schmerzen

Ausgezeichnet werden im Bereich Neurowissenschaft und Erkrankungen des Nervensystems Dr. Mirko Santello und Prof. Dr. Thomas Nevian und für ihre Studie «Überschiessende Schmerzimpulse bremsen». Die beiden Forscher beschreiben darin einen neuen zellulären Mechanismus, der zu der Entstehung von chronischen Schmerzen beiträgt. Dabei haben Santello und Nevian die elektrischen Signale von Nervenzellen im Hirnareal Gyrus Cinguli untersucht, welches entscheidend an der Schmerzwahrnehmung beteiligt ist. Sie konnten zeigen, dass chronische Schmerzen zum Verlust einer bestimmten Klasse von Ionenkänalen in der Zellmembran führt, welche unter normalen Bedingungen die Erregbarkeit der Nervenzellen begrenzen. Daraus resultiert eine erhöhte elektrische Aktivität in diesem Hirnareal und ein unangenehmer, schmerzhafter Sinneseindruck. Santello und Nevian konnten die betroffenen Ionenkanäle gezielt manipulieren und ihre ursprüngliche Funktion wieder herstellen. Indem sie einen spezifischen Rezeptor für den Botenstoff Serotonin aktivierten, gelang es ihnen im Tiermodell die Eigenschaften der Nervenzellen wieder in den Grundzustand zu versetzen und die Schmerzwahrnehmung zu reduzieren. Diese Forschungsergebnisse könnten in Zukunft zu einer wirksameren Therapie für chronische Schmerzpatienten führen.

Dr. Mirko Santello

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Mirko Santello wurde 1982 in Venedig, Italien, geboren. Nach seiner Masterstudium in Molekularbiologie in Padua, gewann er ein Forschungsstipendium für das Labor von Prof. Andrea Volterra in Lausanne, wo er sich mit der Rolle des Zytokins TNFalpha für neuronale Funktionen und für die kognitive Dysfunktion, die mit Multipler Sklerose in Verbindung gebracht wird, beschäftigt. 2011 wurde Santello mit dem Fakultätspreis für seine Doktorarbeit ausgezeichnet. Anschliessend trat er eine Postdoc-Stelle in der Arbeitsgruppe von Prof. Dr. Nevian an die Universität Bern an, wo er  sich mit neuronalen Fehlfunktionen bei der Entwicklung von chronischen Schmerzen beschäftigte. Nach einem kurzen Aufenthalt an der University of New York Medical School ist Santello heute als SNF Ambizione Fellow an der Universität Zürich tätig, wo er die Schmerzverarbeitung bei Migräne erforscht.

Kontakt

Dr. Mirko Santello
Universität Zürich
Institut für Pharmakologie und  Toxikologie
Winterthurerstrasse 190
8057 Zürich
mirko.santello@pharma.uzh.ch

Prof. Dr. Thomas Nevian

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Thomas Nevian hat in Duisburg und Heidelberg (Deutschland) Physik und Biophysik studiert. Er promovierte 2003 am Max-Planck-Institut für medizinische Forschung in Heidelberg bei Prof. Dr. Bert Sakmann zur Kalziumdynamik in Nervenzellen bei Lernprozessen. Danach war er dort als Postdoc tätig bevor er im Sommer 2005 an das Institut für Physiologie der Universität Bern wechselte, um seine eigene Arbeitsgruppe aufzubauen. 2010 erhielt er eine Förderprofessur des Schweizerischen Nationalfonds SNF zur Untersuchung der pathologischen Veränderungen an Nervenzellen, die zu chronischen Schmerzen führen. 2012 gewann er den Theodor-Kocher-Preis der Universität Bern und 2014 wurde er zum Ordentlichen Professor für Physiologie ernannt.

Kontakt

Prof. Dr. Thomas Nevian
Universität Bern
Institut für Physiologie
Bühlplatz 5
3012 Bern
nevian@pyl.unibe.ch

Schützende Keime in den Atemwegen besser verstehen

Eine ausgewogene Keimflora in den Atemwegen von Kleinkindern kann das Risiko späterer schwerer Infektionen reduzieren. Für diese Erkenntnis werden Moana Mika und Insa Korten mit dem Pfizer Forschungspreis ausgezeichnet. Moana Mika, Promotionsstudentin am Institut für Infektionskrankheiten der Universität Bern, und Insa Korten, wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Universitätsklinik für Kinderheilkunde des Inselspitals, setzen sich in ihrer Forschung dafür ein, schützende Keime in den Atemwegen von Kleinkindern besser zu verstehen. Aus diesem Wissen hoffen sie später Empfehlungen für die Prävention von schweren Atemwegsinfekten im Kindesalter zu entwickeln. Massgeblich am Projekt beteiligt ist das  Universitäts-Kinderspital beider Basel, welches zusammen mit der Kinderheilkunde des Inselspitals eine grosse Kohortenstudie zu diesem Schwerpunkt durchführt.

Moana Mika

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Moana Mika hat in Fribourg und Bern Biomedical Sciences studiert und 2012 an der Universität Bern ihren Master erlangt. Seit 2013 doktoriert sie im Labor von Dr. Hilty am Institut für Infektionskrankheiten an der Universität Bern. Sie arbeitet an der Erforschung der respiratorischen Microbiota. Ziel der Forschung von Moana Mika ist, die Microbiota so verändern zu können, dass sie zur Gesundheit des Menschen beiträgt oder eben Krankheiten abschwächen kann.

Kontakt

Moana Mika
Universität Bern
Institut für Infektionskrankheiten
Friedbühlstrasse 51
3008 Bern
moana.mika@ifik.unibe.ch

Dr. med Insa Korten

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Insa Korten hat ihr Studium der Humanmedizin in Leipzig absolviert (Examen 2010) und an der Universität Leipzig promoviert. Von 2011 – 2014 war sie Assistenzärztin für Pädiatrie an der Uniklinik Halle (Saale) in Deutschland. Seit April 2014 ist Insa Korten PhD Studentin an der Universität Bern in der Forschungsgruppe von Prof. Philipp Latzin im Bereich Kinderpneumologie am Inselspital.

Kontakt

Dr. med Insa Korten
Inselspital
Universitätsklinik für Kinderheilkunde
Freiburgstrasse 15
3010 Bern
insa.korten@insel.ch

Weiterführende Informationen und Link

Dysfunction of Cortical Dendritic Integration in Neuropathic Pain Reversed by Seroto ninergic Neuromodulation. Mirko Santello, Thomas Nevian. Neuron 2015; 86: 233 – 246.

Dynamics of the nasal microbiota in infancy: A prospective cohort study. Moana Mika,  Ines Mack, Insa Korten, Weihong Qi, Suzanne Aebi, Urs Frey, Philipp Latzin, Markus Hilty.  J Allergy Clin Immunol 2015; 153: 905 – 912.

28.01.2016