Berner Jus-Studenten gewinnen vor Gericht

Grosser Erfolg für die drei Berner Jus-Studenten Nicolas Läderach, Pascal Theis und Dario Waber: Sie haben sich am «Swiss Moot Court» in einem fiktiven Gerichtsverfahren am Bundesgericht in Luzern den ersten Platz geholt.

Von Brigit Bucher

Gerichtsluft schnuppern bereits im Studium: Moot Courts sind fiktive Gerichtsverfahren, bei denen Jus-Studierende das bis anhin angeeignete Wissen realitätsnah anwenden können. Die Idee stammt ursprünglich aus den USA. Moot Courts gibt es in beliebigen Rechtsgebieten und mit beliebigem Schwierigkeitsgrad. Der Swiss Moot Court ist ein solcher Plädoyer-Wettbewerb, der allen Studierenden offensteht, welche an einer Schweizer Rechtsfakultät immatrikuliert sind. In der diesjährigen Ausgabe des Swiss Moot Court haben sich die drei Berner Jus-Studenten Nicolas Läderach, Pascal Theis und Dario Waber gegen 36 Teams von Universitäten aus der ganzen Schweiz durchgesetzt.

Hoher Ausbildungswert von Moot Courts

Thomas Koller, Professor am Zivilistischen Seminar der Universität Bern, hat das Siegerteam und ein weiteres Berner Team, die sich beide für die mündliche Runde mit insgesamt 12 Teams am Swiss Moot Court qualifizieren konnten, im Vorfeld gemeinsam mit seiner wissenschaftlichen Assistentin Janine Häsler betreut. Koller sagt: «Die Teilnahme an einem Moot Court ist für Jus-Studierende generell sehr wertvoll. Man lernt in einem Team zu arbeiten, Rechtsschriften zu verfassen und den Auftritt vor einem Gericht.»

Nicolas Läderach, Pascal Theis und Dario Waber erzählen: «Im Rahmen einer Vorlesung hat uns Herr Prof. Koller über die Möglichkeit zur Teilnahme am Swiss Moot Court informiert. Ausschlaggebend für die Teilnahme war, dass wir im Rahmen des Wettbewerbs Erfahrungen sammeln können, welche durch das reguläre Studienprogramm nicht vermittelt werden.» Bei einem Kaffee in der Mensa hätten sie sich zur Teilnahme entschlossen. Die späteren Sieger hat Thomas Koller im Rahmen eines Übungsplädoyers am Institut näher kennengelernt. Der Professor sagt: «Schon in dieser Übungsphase hat uns der Auftritt der drei Studenten überzeugt. Sie wirkten ruhig und auf angenehme Art selbstsicher.»

Von Haustieren und Mietzinsen

Wie Thomas Koller erklärt, geht es beim Swiss Moot Court stets um Fälle aus dem schweizerischen Recht. Anschaulich beschreibt Koller den fiktiven Fall, den es dieses Jahr zu bearbeiten galt: Es ging um die Miete einer Villa mit grossem Garten und Gästehaus an schöner Lage im Kanton Genf. Nach einem rund 24 Jahre dauernden guten Mietverhältnis kündigte der Vermieter den Mietvertrag u.a. mit der Begründung, die Mieterin habe vertragswidrig Haustiere gehalten. Die Mieterin focht die Kündigung wegen Missbräuchlichkeit an, weil der Vermieter seit vielen Jahren von den Haustieren gewusst habe. Zudem forderte die Mieterin einen Teil der bezahlten Mietzinse zurück. Umstritten war in diesem Zusammenhang, ob es sich beim Mietobjekt um ein luxuriöses Einfamilienhaus handelt oder nicht (Art. 253b Abs. 2 OR). Die obere kantonale Instanz hatte der Mieterin vollumfänglich recht gegeben. Thomas Koller: «Der Fall hatte mehrere schwierige Fragen aus dem Mietrecht zum Gegenstand. Das hat die Teams gezwungen, sich intensiv mit diesem komplexen, aber sehr praxisrelevanten Rechtsgebiet zu befassen.»

Die gute Vorbereitung hat sich ausbezahlt

Die Aufgabe der Teams am Moot Court bestand darin, zunächst in der schriftlichen Runde eine Beschwerdeschrift ans Bundesgericht im Auftrag des Vermieters sowie eine Beschwerdeantwort der Mieterin zu verfassen. In dieser Phase haben Nicolas Läderach, Pascal Theis und Dario Waber jeden Tag mehrere Stunden aufgewendet, dies neben dem Studium und der Arbeit, der alle noch nachgehen. Danach wurden die zwölf besten Teams für die mündliche Runde eingeladen. Vor einer Jury bestehend aus Bundesrichterinnen und -richtern, Rechtsanwältinnen und -anwälten und Rechtsprofessorinnen und -professoren hielten sie ihre Plädoyers. Dabei musste jedes Team je einmal für den Beschwerdeführer und für die Beschwerdegegnerin plädieren. Die drei Jus-Studenten erzählen: «Anfangs haben wir nicht damit gerechnet zu gewinnen, doch nachdem wir unsere Plädoyers gehalten hatten, schien uns ein Einzug in das Finale möglich. Die gegnerischen Teams haben es uns jedenfalls nicht leichtgemacht, da sie auch ausserordentlich gut vorbereitet waren.»

Geschätzt haben die drei die grosse Unterstützung von ihren Familien und Freunden. Vor allem aber sei das Zivilistische Seminar ihnen immer mit Rat und Tat zur Seite gestanden. Thomas Koller: «Wir haben die beiden Berner Teams gecoacht. So konnten sie Übungsplädoyers halten und wir gaben Ihnen Tipps im Hinblick auf das Auftreten wie die Körperhaltung und den Augenkontakt, die Organisation des Teams während der Plädoyers, die Reaktion auf Argumente der Gegenseite und so weiter. Auch habe ich einen kurzen Rhetorikkurs für die beiden Teams organisiert.» Jedoch betont Thomas Koller, dass die sehr gute Leistung letztlich von den Studenten selbst erbracht werden musste.

Anwalt zu sein gefällt

Gefragt, was sie denn besonders eindrücklich fanden, sagt Nicolas Läderach: «Die Möglichkeit zum ersten Mal ein Plädoyer zu halten und dies erst noch vor einer Jury bestehend aus Bundesrichtern, Anwälten und Dozenten.» Pascal Theis fügt hinzu: «Ich persönlich empfand es als sehr eindrücklich, wie wir als Team, trotz akuter Drucksituation, unsere Argumente standhaft vertreten konnten.» Die Nervosität sei während dem Plädieren wie von selbst verflogen, ergänzt Dario Waber. Und: «Das war dann auch der Moment, in dem mir klar wurde, dass ich auch in Zukunft unbedingt als Anwalt vor Gericht auftreten möchte.»

Zieht es die drei erfolgreichen Berner Studenten für das Masterstudium an eine andere Uni? Die drei betonen: «Für Bern haben wir uns unter anderem wegen des guten Umgangs entscheiden, welcher zwischen Studierenden und Dozierenden herrscht. Weiter ist Bern die schönste Stadt der Welt, weswegen für uns klar ist, dass wir auch den Master an der Universität Bern absolvieren werden.»

Das Zivilistische Seminar

Das Zivilistische Seminar ist zuständig für Lehre und Forschung im Bereich des Privatrechts (schwergewichtig im Obligationenrecht und im ZGB). Die einzelnen Ordinariate befassen sich nicht nur mit Grundfragen aus diesen Rechtsbereichen, sondern richten darüber hinaus im Rahmen von wissenschaftlichen Publikationen, Tagungen, Masterveranstaltungen etc. auch ein grosses Augenmerk auf spezielle Problemkreise, etwa aus dem Notariatsrecht, dem Erbrecht, dem Bank- und Kapitalmarktrecht, dem Haftpflicht- und Versicherungsrecht, dem Mietrecht und dem internationalen Kaufrecht. Zudem organisiert das Zivilistische Seminar jährlich ein Team von Studierenden, welches am Willem C. Vis International Commercial Arbitration Moot in Wien teilnimmt, einem der grössten Moot Courts weltweit, der in englischer Sprache geführt wird und immer einen Fall aus der Internationalen Schiedsgerichtsbarkeit und dem UN-Kaufrecht (CISG) zum Gegenstand hat.

Zur Autorin

Brigit Bucher arbeitet als Stv. Leiterin Corporate Communication an der Universität Bern und ist Redaktorin bei «uniaktuell».

27.02.2017