Wieso Jugendliche Sport treiben

Im Rahmen eines Forschungsprojekts untersuchten Studierende der Sportwissenschaft die Sportförderung in Berner und Freiburger Gemeinden. An einem Symposium präsentierten sie ihre Ergebnisse den Gemeindevertretern und der Öffentlichkeit – zweisprachig.

Von Christoph Leuenberger

Sport und Bewegung sind gesund. Gemäss dem Bundesamt für Sport sind Ausgeglichenheit, Stressresistenz, gemeinsame Erlebnisse mit Kolleginnen und Kollegen oder aktive Erholung in der Natur weitere willkommene Effekte von regelmässiger Bewegung. Aus diesem Grund unterstützt die öffentliche Hand die Sportaktivitäten der Bevölkerung und fördert beispielsweise den Nachwuchs, den Breitensport oder auch den Sport in der Schule.

Nach wie vor bestehen jedoch soziale Ungleichheiten hinsichtlich der Sportbeteiligung in der Schweiz. Insbesondere Jugendliche hören oft mit fortschreitendem Alter auf, Sport zu treiben. Studierende des Instituts für Sportwissenschaft gingen im Rahmen eines Masterseminars deshalb der Frage nach, wieso Jugendliche und junge Erwachsene Sport treiben oder eben nicht. 33 Gemeinden aus den Kantonen Bern und Freiburg nahmen an der Studie «Sportbeteiligung Jugendlicher und junger Erwachsener im kommunalen Kontext» teil. Anfang Februar erhielten sie die Resultate an einem Symposium aus erster Hand von den Studierenden präsentiert.

Leute in Sportbekleidung machen Gymnastik in einer Sporthalle.
80 Prozent der 15- bis 30-jährigen treiben regelmässig Sport. © Alle Fotos: UniBE

In der Studie wurden unter anderem die Sportstrukturen und -angebote der Gemeinden genauer beleuchtet sowie die Einstellung der jungen Menschen zum Sport. «Knapp 3'700 Personen zwischen 15 und 30 Jahren nahmen an der Studie teil», so Claudia Klostermann, Assistentin im am Institut für Sportwissenschaft.

Sechs Stunden Sport pro Woche

Vier von fünf Befragten gaben an, dass sie regelmässig sportlichen Aktivitäten nachgehen (Gymnastik, Fitness oder sonstiger Sport), durchschnittlich sechs Stunden pro Woche. Zwei von drei Personen gehen mehr als zwei Sportarten nach. «Dass junge Leute mehrere Sportarten treiben, ist ein starker Trend», sagte Professor Siegfried Nagel, geschäftsführender Direktor und Abteilungsleiter am Institut für Sportwissenschaft. Zudem werde heute Sport stärker als Lifestyle betrieben. «Der Wettkampf steht nicht mehr so stark im Vordergrund.»

Die sportabstinente Minderheit gab in erster Linie berufliche Gründe und andere Interessen an, wieso sie keinen Sport treiben. Einem Drittel fehlt es zudem an der Motivation.

Dick gepolsterte Handschuhe mit Unterarmschonern hängen an einem Garderobengestell.
Berufliche Gründe und andere Interessen sind die meist genannten Gründe, weshalb Jugendliche den Sport an den Nagel hängen.

Ausländische Frauen treiben am wenigsten Sport, Schweizer Männer am meisten

Bisherige Studien haben gezeigt, dass die Menschen in der Deutschschweiz öfters Sport treiben als diejenigen in der Westschweiz. Dies konnte auch hier bestätigt werden. Junge Menschen in den Berner Gemeinden waren sportlich geringfügig aktiver als ihre Altersgenossen im Kanton Freiburg (85% vs. 80% sportlich Aktive). Alter ist ein weiterer Grund für die unterschiedliche Sportpartizipation. So nimmt die sportliche Aktivität mit dem Alter leicht aber kontinuierlich ab. Treiben 85 Prozent der 15- bis 20-jährigen Sport, sind es bei den 21- bis 25-jährigen noch 83 Prozent und bei den 26- bis 30-jährigen nur noch 80 Prozent.

Der grösste Faktor für die unterschiedliche Sportbeteiligung ist aber die Nationalität. Ausländer treiben weniger Sport als Schweizer (72% vs. 85%), ausländische Frauen weniger als ausländische Männer. Eine Aufschlüsselung nach Herkunft der Ausländer liegt noch nicht vor. Es ist anzunehmen, dass sich die Sportbeteiligung nach Kulturkreis unterscheidet.

Nahaufnahme des Netzes eines Fussball-Tores.
Um Sport zu fördern, muss man nicht nur an die Infrastruktur denken, sondern auch an die Vereine.

Wellness oder Wettkampf

Junge Menschen sehen den Sport vor allem als willkommene Abwechslung zum Alltag. Er fördere zudem den Teamgeist und entspanne. Die persönliche Einstellung zum Sport variiert insbesondere nach Sprachregion. Steht bei den Westschweizern der Wellness-Aspekt klar im Vordergrund ist es bei den Deutschschweizern die Abwechslung und die Leistung.

Ein wichtiger Untersuchungsgegenstand der Studie waren auch die Strukturen der Sportförderung.  Erhoben wurden unter anderem die Sportausgaben der Gemeinde pro Kopf, der Stellenwert des Sports oder ob die Gemeinden ein Sportleitbild bzw. ein Förderkonzept haben.

Konsequenzen für die kommunale Sportförderung

In seiner Zusammenfassung am Schluss der Veranstaltung betonte Professor Siegfried Nagel die wichtige Rolle der Gemeinden. Mehr als die Hälfte der sportlich Aktiven geht ihrem Hobby in Sportvereinen nach. Wolle man den Sport fördern, müsse man neben der Infrastruktur auch an die Vereine denken. «Immer mehr Leute treiben aber auch ausserhalb von Vereinen Sport», so Nagel. «Kommerzielle Anbieter wie beispielsweise Fitnesscenter werden dabei immer wichtiger.»

13.02.2015