Wald in Europa: mehr Arten, mehr Nutzen

Wenn die Zahl der Baumarten in europäischen Wäldern abnimmt, können diese wichtige ökologische Dienstleistungen wie die Filterung unserer Atemluft oder den Schutz vor Bodenerosion schlechter erbringen. Dies hat ein internationales Team von Forschenden mit Beteiligung der Universität Bern herausgefunden.

Von Fons van der Plas und Martin Zimmermann

Bäume sind Dienstleister: Wir nutzen ihr Holz zum Bauen und Heizen, sie filtern Staub aus der Luft, wandeln Kohlendioxid in Sauerstoff um, schützen den Boden vor Erosion, tragen zur Sicherung der Trinkwasserversorgung bei und nicht zuletzt spielen Wälder eine wichtige Rolle für Freizeit und Erholung. Ein internationales Team von Forschenden aus 29 Institutionen – darunter der Universität Bern – hat in einem großangelegten Projekt die Auswirkung der Artenvielfalt auf diese sogenannten Ökosystemleistungen in europäischen Wäldern untersucht.

Dazu wurden kürzlich zwei Studien in den Fachzeitschriften «Proceedings of the National Academy of Sciences of the United States of America (PNAS)» und «Nature Communications» veröffentlicht. «Wir konnten in den beiden Publikationen aufzeigen, dass artenreichere, heterogene Waldstücke mehr und vielfältigere Dienstleistungen erbringen als weniger artenreiche, homogene Wälder», sagt der Letztautor der Studie, Markus Fischer vom Institut für Pflanzenwissenschaften (IPS) der Universität Bern. Fischer und die anderen Forschenden warnen deshalb vor einem Verlust der Biodiversität in europäischen Wäldern und den damit einhergehenden Einbussen an Leistungen für Mensch und Natur.

Europaweit geringe Baumvielfalt

Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler haben 209 Waldstücke in Finnland, Deutschland, Polen, Rumänien, Italien sowie Spanien ausgewählt. Anhand dieser haben sie den Zusammenhang zwischen lokaler sowie regionaler Artenvielfalt und insgesamt 16 verschiedenen Ökosystemleistungen analysiert. «Die meisten Wälder bestehen heute aus wenigen Baumarten oder sogar nur einer einzigen», sagt Markus Fischer. Der Grund hierfür sei vor allem, dass die Forstwirtschaft oft auf Monokulturen, also Aufforstungen mit nur einer Baumart, gesetzt habe.

Dies verringert jedoch direkt die von der Natur erbrachten Dienstleistungen und damit das Wohlergehen des Menschen. «Eine einzelne Baumart kann zwar einzelne Beiträge – zum Beispiel qualitativ gutes Holz für die Forstwirtschaft – bieten», erklärt Erstautor Fons van der Plas, der die Studie als Postdoc am IPS in Bern durchführte und heute am Senckenberg Biodiversität und Klima Forschungszentrum in Frankfurt forscht. Aber nur ein vielfältiger Wald könne gleichzeitig eine Fülle von Angeboten bereitstellen und neben der Holzproduktion zum Beispiel zur Reinhaltung des Grundwassers beitragen, Lebensräume für Vögel oder interessante Orte für Touristen anbieten.

«Vielfalt könnte einfach erhöht werden»

Die Forschenden warnen deshalb vor einer weiteren Vereinheitlichung des Waldes und empfehlen, Wälder artenreicher zu gestalten. «Die Vielfalt im genutzten Wald könnte sehr einfach erhöht werden», betont Fons van der Plas. «Man könnte die natürliche Samenausbreitung der Bäume oder vielfältigen Jungwuchs unterstützen, zusätzliche Arten anpflanzen und die Artenzusammensetzung grosser Waldgebiete variieren. Das ist an sich nicht schwierig, wird aber zu wenig gemacht.»

Immerhin gebe es in der Forstwirtschaft inzwischen einen Trend weg von den früher dominierenden Monokulturen hin zu artenreicheren Wäldern, so Fons van der Plas. «Wir hoffen, durch unsere Studie das Bewusstsein dafür zu schärfen, wie wichtig artenreiche Wälder sind und so diesen Trend zu beschleunigen.»

Zu den Personen

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Markus Fischer ist Professor für Pflanzenökologie und Direktor des Instituts für Pflanzenwissenschaften und des Botanischen Gartens  der Universität Bern. Zu seinen Forschungsschwerpunkten zählen die Ursachen und Konsequenzen von Biodiversitätsveränderungen.

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Fons van der Plas war von 2014 bis 2015 Postdoc am Institut für Pflanzenwissenschaften an der Universität Bern. Seine Forschungsinteressen gelten vor allem der Biodiversität von Wäldern und Graslandschaften sowie der Untersuchung von Ökosystemleistungen. Derzeit forscht er als Postdoc am Senckenberg Biodiversität und Klima Forschungszentrum in Frankfurt, Deutschland.

Das Institut für Pflanzenwissenschaften

Das Institut für Pflanzenwissenschaften der Universität Bern (IPS) ist im Botanischen Garten Bern (BOGA) beheimatet. Es forscht in den Bereichen pflanzliche Entwicklung, molekulare Pflanzenphysiologie, Ernährung der Pflanzen sowie Pflanzen- und Paläoökologie.

Zum Autor

Martin Zimmermann arbeitet als Redaktor Corporate Communication an der Universität Bern.

28.03.2016