Sommerserie: Mit dem eigenen Kopf Experimente anstellen

Was wollen die Schülerinnen und Schüler einer Sek-Klasse aus Ostermundigen zur Forschung der Universität Bern wissen? Die Fragen der Jugendlichen und die Antworten der Forschenden bilden den Schwerpunkt der aktuellen Ausgabe des Wissenschaftsmagazins «UniPress». In der diesjährigen Sommerserie blickt «uniaktuell» zurück auf die Begegnungen. Dieses Mal sind Diego, Jampa, Lionel und Brandon an der Reihe. Sie trafen Philosophieprofessor Richard King.

Von Marcus Moser (Text) und Ivo Schmucki (Video)

Diego Buccassi, Jampa Palkhang, Lionel Tinner und Brandon Hardgrave warten zwischen den Musen hinter der Unitobler. Etwas Unterstüzung durch die Schutzgöttinnen der Künste kann nicht schaden, um sich auf ein Treffen mit einem echten Philosophen vorzubereiten. Vor allem, wenn dieser dann auch noch «King» heisst. 

Richard King bittet seine jungen Gäste in sein Büro. Im Raum befinden sich ein grosser Tisch und durchgehende Bücherwände. Das macht den Jugendlichen ordentlich Eindruck. Ob er die Bücher denn alle gelesen habe, will Diego wissen. Nein, das habe er nicht, meint Philosoph King. Aber er wolle immer wieder auf bestimmte Bücher zugreifen können. Diego, Jampa, Lionel und Brandon setzen sich nebeneinander an die Längsseite des Tisches. Das möchte Professor King allerdings nicht. Er findet das keine gute Anordnung für ein Gespräch. Stühle werden gerückt, die Jugendlichen sitzen nun übers Eck. King möchte zunächst etwas mehr von Diego, Jampa, Lionel und Brandon wissen. Wenige Minuten später ist die Nervosität verflogen. Das Gespräch kann beginnen:

Zur Philosophie

Richard King: Was stellt ihr euch vor unter einem Philosophen?
Brandon: Jemand, der mit Logik überlegt, warum wir da sind. Vielleicht ist das verwandt mit einem Psychologen. Jemand, der mit Denken seine Produktivität steigern kann.
Lionel: Ein Philosoph ist jemand, der sich mit Fragen des Lebens beschäftigt.
RK: Hast du ein Beispiel?
Lionel: Zum Beispiel die Frage, wie man glücklich wird.
RK: Das sind zwei Dinge, die ihr genannt habt: Glück und Logik. Mit diesen Dingen setzen sich Philosophen auseinander. Brandon, du hast nahegelegt, dass die Philosophie auch forscht. Was passiert eigentlich an einer Universität?
Diego: Man studiert.
RK: Die einen studieren, die anderen forschen. Wollt ihr auch mal studieren?
Lionel: Ich bin nicht so der Typ fürs Studieren.
Diego: Ich bin mir nicht sicher.
Jampa: Ich weiss nicht.
RK: In einer Universität gibt es Studierende und Dozierende. Die Dozierenden machen Forschung und unterrichten. Philosophische Forschung ist anders als naturwissenschaftliche: Da geht man nicht irgendwo hin oder macht Experimente in einem Labor.

RK: Habt ihr auch schon Experimente gemacht?
Diego und Jampa: In der Schule haben wir mit dem Bunsenbrenner Experimente gemacht. Es ging um die Frage, wo die Flamme am wärmsten ist.
Brandon: Wir haben Salz vom Wasser getrennt.
RK: Worum geht es bei Experimenten?
Diego: Darum, Neues herauszufinden.
Jampa: Man schreibt auf, was man herausgefunden hat.
RK: Es geht um Entdeckung, um neue Erkenntnisse. Wir haben hier in der Philosophie keine Labors. Wir haben Bücher, das Internet. Könnt ihr euch vorstellen, wie man ohne Labor etwas entdecken könnte?
Diego: Mit Denken. Indem man Fragen stellt, über die man noch nie nachgedacht hat. Wenn man nachdenkt, wird es vielleicht immer komplizierter und man findet ein neues Thema.
RK: Mir scheint, dass du ziemlich viel über die Dinge nachdenkst, Diego.
Diego: Geht so.
RK: Du hast Meinungen, das ist wichtig. Das Problem ist: Wie kann man durch Denken etwas Neues entdecken?
Brandon: Es ist schwierig. Man kann mit sich selber Versuche machen. Wenn etwas mich selbst betrifft, dann betrifft es auch andere.

Zum Glück

RK: Kommen wir zurück zum Glück. Was ist Glück?
Jampa: Ein Gefühl.
RK: Das ist eine sehr gute Antwort.
Brandon: Glück besteht aus mehreren Gefühlen.
Lionel: Man kann sich selber glücklich machen.
RK: Wie meinst du das?
Lionel: Wenn ich traurig bin, mache ich etwas, was mir gefällt. Dann werde ich wieder glücklich.
RK: Ok. Und um wessen Glück geht es?
Brandon: Wenn man anderen hilft, ist man auch selber glücklich.
RK: Was auch immer das Glück ist, wir wollen es alle. Ist das Glück das Wichtigste?
Lionel, Diego: Ja
Jampa: Ich glaube, Liebe ist noch wichtiger. Ohne Liebe ist man gar nicht glücklich.
RK: Man möchte Liebe empfangen oder schenken, weil es einen glücklich macht. Ist Liebe an sich aber wichtig?
Jampa: Wenn man sich selbst nicht liebt, würde man Selbstmord machen.
RK: Sehr gut. Was heisst es nun, ein gutes Leben zu führen? Das ist eine zentrale Frage der Ethik, der praktischen Philosophie.
Lionel: Essen zu haben.
Jampa: Wenn man alles hat, was man zum Überleben braucht.
Diego: Einen Ort zum Schlafen. Familie und Freunde.
RK: Du hast Bedürfnisse, die du erfüllen kannst. Was Jampa beschreibt, ist sehr grundlegend. Das, was man zum Leben braucht: Essen, Kleider, Schutz. Aber ist das ein gutes Leben?
Diego: Wenn man daran denkt, dass viele Menschen das nicht haben, dann wäre das schon ein gutes Leben.
Lionel: Für mich besteht das gute Leben darin, Ziele und Träume zu haben, an denen man arbeitet.
RK: Sehr gut. Man muss hoffen können.
Brandon: Ich glaube, es kommt auf den einzelnen Menschen an. Es gibt solche, die zufrieden sind, wenn sie überleben können.

Unipress 171: Sie fragen, wir antworten

Teaser

«Sie Fragen, wir antworten» lautet der Schwerpunkt der aktuellen Ausgabe von «UniPress», dem Wissenschaftsmagazin der Universität Bern. Schülerinnen und Schüler der Sekundarklasse S9b aus Ostermundigen haben Forschenden der Universität Bern Fragen gestellt.

Nacht der Forschung

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Am Samstag, 16. September 2017, lädt die Universität Bern zur dritten Nacht der Forschung. An diesem grossen Wissensfest gibt die Universität einen Einblick in ihre Forschung – verständlich erklärt und unterhaltsam präsentiert. Die «Nacht der Forschung» findet zwischen 16.00 und 24.00 Uhr in den drei Gebäuden der Universität Bern rund um die Grosse Schanze und auf dem Areal um die Gebäude herum statt.

Zu den Autoren

Marcus Moser arbeitet als Leiter Corporate Communication, Ivo Schmucki als Hochschulpraktikant Corporate Communication an der Universität Bern.

13.07.2017