Sommerserie: Für Hund und Katz

Was wollen die Schülerinnen und Schüler einer Sek-Klasse aus Ostermundigen zur Forschung der Universität Bern wissen? Die Fragen der Jugendlichen und die Antworten der Forschenden bilden den Schwerpunkt der aktuellen Ausgabe des Wissenschaftsmagazins «UniPress». In der diesjährigen Sommerserie blickt «uniaktuell» zurück auf die Begegnungen. Dieses Mal an der Reihe: Ceren, Mimoza und Esha, die bei David Spreng in der Kleintierklinik zu Gast waren.

Von Marcus Moser (Text) und Ivo Schmucki (Video)

Rund 7000 Patienten werden am Tierspital Bern jährlich behandelt. David Spreng leitet die Klinik. Ceren Arslan, Mimoza Hodolli und Esha Kaundal wollten vom Professor für Tiermedizin wissen, wie ähnlich sich Tier und Mensch denn sind, wenn es um Krankheiten geht.

Ceren, Mimoza und Esha: Herr Spreng, können Tiere die gleichen Krankheiten wie Menschen haben?
David Spreng: Absolut, zu 100 Prozent. Ihr müsst euch den Menschen als grosses Tier vorstellen. Die klassischen Krankheiten der Menschen wie Infektionen und Krebs oder chronische Probleme wie Arthrose, also Gelenkschmerzen, – all das gibt es bei Tieren auch. Tiere können die gleichen Krankheiten haben. Aber sie zeigen sich anders. Und wir behandeln weniger chronische Krankheiten, insbesondere bei den Nutztieren. Das liegt einfach daran, dass man bei Tieren nicht so lange wartet, bis man sie erlöst. Hinzu kommt: Die Lebenserwartung der meisten Tiere ist insgesamt weniger hoch als bei Menschen.

Wie alt werden denn Tiere?
Es gibt doch so eine Regel, wonach ein Katzenjahr sieben Menschenjahren entspricht? Das ist ein Märchen. Das erreichbare Alter hängt sehr von der Rasse ab. Es gibt Hunderassen, die praktisch nicht älter als acht Jahre werden. Daneben gibt es aber Mischlinge, die ohne Probleme 15, 16 Jahre alt werden. Ähnliches gilt bei Katzen: Es gibt Rassekatzen, die früh sterben. Und daneben gibt es den Kater, der ohne grössere Probleme 25 Jahre alt wird.

Gibt es Tiere mit Sehschwäche?
Ja. Wir haben hier drei Tierärztinnen, die auf Sehschwächen spezialisiert sind. Die schauen sich nur Augen an: Linsentrübungen, Infektionen, Verletzungen. Auch das ist ähnlich wie bei den Menschen.

Wirken die Medikamente für Menschen auch für Tiere?
Das ist eine sehr gute Frage! Es gibt Tierbesitzer, die uns fragen, ob sie ihrem Hund auch ein Aspirin geben können, wenn er Schmerzen hat. Das ist gefährlich. Die Medikamente der Humanmedizin funktionieren tatsächlich auch beim Tier – Antibiotika zum Beispiel. Im Tierkörper ist der Abbau des gleichen Medikaments verschieden, darum muss man die Dosis anpassen. Ein Schlafmittel für Menschen wirkt zum Beispiel 6 – 8 Stunden. Wenn das gleiche Schlafmittel einem Hund verabreicht wird, schläft er vielleicht für 36 Stunden. Zusammenfassend: Viele Medikamente für Menschen funktionieren bei Tieren. Bei der Dosierung ist aber Vorsicht geboten.

Sie nennen die Tiere Patienten. Ist das normal?
Aber sicher. Tiere sind Patienten, sie haben auch alle einen Namen. Unsere Tierpflegerinnen und Tierpfleger haben auch ein enges Verhältnis zu den Tieren, das ist wirklich analog zur Menschenmedizin. Wir sprechen vom Patientenbesitzer respektive der Patientenbesitzerin. Mit ihnen werden die gleichen Gespräche geführt wie zum Beispiel im Menschenspital, wenn die Eltern eines kranken Kindes vorbeikommen und mit den Ärztinnen und Ärzten sprechen.

In der Kleintierklinik

Der grosse Eingangsbereich hält eine Spezialität der Kleintierklinik bereit: Da gibt es getrennte Wartzimmer. Nicht für Frauen und Männer, sondern für Hunde und Katzen. Die strikte räumliche Trennung wird nach der Erstuntersuchung aufgehoben, die Hunde aber immer auf der einen, die Katzen auf der anderen Seite in einem Raum untergebracht. «Hunde und Katzen sind verschieden und sie reagieren aufeinander, vor allem wenn sie sich nicht kennen. In der Intensivstation sind sie zwar im gleichen Raum, aber separiert. Hier könnten wir eine Trennung in zwei Räume wegen der aufwändigen Betreuung gar nicht durchführen», erklärt Klinikleiter Spreng.

Hygiene ist das A und O. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind in bordeauxfarbige Arbeitskleider gehüllt, die Ärztinnen und Ärzte tragen blaue Kleider oder die bekannten weissen Schürzen. Die Raumabfolge in der Kleintierklinik ist wohl durchdacht. Zuerst kommen verschiedene Untersuchungsräume, dann die Radiologie und die Computertomografie. Die dort eingesetzten Geräte stammen allesamt aus dem Humanbereich. Die Herstellung entsprechend verkleinerter Modelle würde sich auf dem Markt nicht rechnen. Bei jedem zweiten Raum zeigt eine Markierung beim Eingang, dass die Stromzufuhr durch Notaggregate gesichert ist.

«Notfallferraris» für Tiere

Überall in der Klinik stehen rote «Notfallferraris», Handwagen, mit denen die Tiere von Station zu Station überführt werden. Die Operationssäle können von uns aus Hygienegründen nicht betreten werden. Sie sind steril und bereit für den nächsten Ernstfall.

Im Zentrum der Räume ist die Intensivstation untergebracht. Hier werden die akuten Patienten überwacht. Bei unserem Besuch ist es ruhig. Aber man riecht die Tiere. Auf einer roten Decke liegt eine grosse Hündin in einer Ecke, ausserhalb eines Käfigs. Sie bewegt sich nicht. Man spürt, dass es dem Hund nicht gut geht. Wer denn für die entstehenden Kosten aufkomme, wollen wir wissen. «Das ist Sache der Tierhalterinnen und Tierhalter», erläutert Spreng, «aber es gibt immer wieder Fälle, in denen die Tierbesitzer meinen, dies sei Sache der Öffentlichkeit». Krankenkassen für Tiere seien in der Schweiz – ganz im Gegensatz zu den USA – noch kein grosses Thema. Aber das werde sich in Zukunft wohl ändern, meint David Spreng.

Unipress 171: Sie fragen, wir antworten

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«Sie Fragen, wir antworten» lautet der Schwerpunkt der aktuellen Ausgabe von «UniPress», dem Wissenschaftsmagazin der Universität Bern. Schülerinnen und Schüler der Sekundarklasse S9b aus Ostermundigen haben Forschenden der Universität Bern Fragen gestellt.

Nacht der Forschung

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Am Samstag, 16. September 2017, lädt die Universität Bern zur dritten Nacht der Forschung. An diesem grossen Wissensfest gibt die Universität einen Einblick in ihre Forschung – verständlich erklärt und unterhaltsam präsentiert. Die «Nacht der Forschung» findet zwischen 16.00 und 24.00 Uhr in den drei Gebäuden der Universität Bern rund um die Grosse Schanze und auf dem Areal um die Gebäude herum statt.

Zu den Autoren

Marcus Moser arbeitet als Leiter Corporate Communication, Ivo Schmucki als Hochschulpraktikant Corporate Communication an der Universität Bern.

29.06.2017