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Das Stellarium Gornergrat öffnet den Betrieb für Schulen

Das Center for Space and Habitability der Universität Bern (CSH) hat zusammen mit Partnern auf dem Gornergrat eine Anlage aufgebaut und eingerichtet, deren Teleskope und Instrumente primär für Bildungszwecke und die Öffentlichkeit zur Verfügung stehen. Auf diese Weise erhalten Schulen Zugang zu professionellem Equipment am vermutlich besten Sternen-Beobachtungsstandort der Schweiz.

Der Gornergrat mit seinem berühmten Panorama ist einer der besten Standorte für astronomische Beobachtungen in ganz Mitteleuropa. In den letzten 50 Jahren wurde dort intensive Forschung auf internationaler Ebene betrieben. Heutige Ansprüche der Forschenden für neue Teleskope betreffend Spiegelgrösse, Höhe über Meer und lokales Wetter führen nun häufig zu Standorten wie Chile oder Hawaii. «Zusammen mit Astronominnen und Astronomen an der Universität Genf haben wir uns überlegt, wie man diesen doch einmaligen Standort auf dem Gornergrat weiterhin nutzen könnte», sagt Dr. Timm-Emanuel Riesen vom Center for Space and Habitability (CSH) der Universität Bern. Zusammen mit der Internationalen Stiftung Hochalpine Forschungs­­stationen Jungfraujoch und Gornergrat (HFSJG) und der Burgergemeinde Zermatt wurde die Idee eines pädagogischen Teleskops, dem «Stellarium Gornergrat», entwickelt und jetzt in Betrieb genommen. Das Projekt ist ganz bewusst für die Öffentlichkeit konzipiert und richtet sich als Angebot direkt an alle Schulen in der Schweiz. Kernstück ist ein speziell dafür entwickeltes pädagogisches Internetportal, auf welchem sich Lehrende und Lernende registrieren können, um Zugriff auf diverse pädagogische Inhalte und Aktivitäten zu erhalten.

«Unser Ziel ist es, auch Lehrpersonen mit wenig oder gar keinem Vorwissen in Astronomie eine attraktive Möglichkeit zu bieten, Themen wie Weltraum, Wissenschaft und Astronomie direkt in die Schulstube zu bringen», sagt Riesen. So können etwa Beobachtungsaufträge eingegeben werden, welche das Stellarium zum geplanten Zeitpunkt durchführt, falls es das Wetter erlaubt. Die Bilder können dann vom jeweiligen Benutzer direkt via Portal bezogen werden. «Das funktioniert ähnlich wie eine Hotelbuchung», erklärt Riesen. Möglich sind auch Exkursionen für Schulklassen.

Der Himmel steht zur Verfügung

Das Hauptinstrument «DeepSky» ist ein 60cm fabrikneues Spiegelteleskop, das über ein aussergewöhnlich grosses Gesichtsfeld verfügt. Damit lassen sich problemlos ausgedehnte Objekte wie der Erdmond oder grosse Galaxien und Nebel in ihrer vollen Grösse beobachten. Ein zu grosses Gesichtsfeld wäre hinderlich, um kleine Objekte wie Planeten, Kometen und Asteroiden zu beobachten. Zu diesem Zweck gibt es das «Planeten-Teleskop». Dieses Spiegelteleskop ist ideal, um unsere Nachbarplaneten oder auch den Saturn mit seinen Ringen oder Jupiter mit seinem grossen, roten Fleck abzubilden. Für Lehrpersonen spannend ist auch die «Sternbild-Kamera»: eine Spiegelreflexkamera, die in einem extra an der Universität Bern entwickelten Gehäuse angebracht ist, und mit der via Webportal auch verschiedene Zoomfaktoren ausgewählt werden können. Mit diesem Instrument lassen sich ganze Konstellationen oder Teile davon abbilden, samt darin enthaltenen Galaxien und Nebeln.

Montiert sind diese drei Instrumente auf einer hochpräzisen Knicksäule, deren eine Achse genau parallel zur Erdachse ausgerichtet ist. Damit kann die Eigendrehung der Erde ideal kompensiert und das Licht ferner Objekte über längere Zeit eingesammelt werden, ohne dass sich diese zu langgezogenen Strichen verformen. Für lokal anwesende Gäste gibt es auch ein Teleskop, durch welches man von Auge sehen kann. Dieses Linsenteleskop ist ein guter «Allrounder».

Zum Angebot gehört schliesslich eine hochempfindliche Schwarz-Weiss Kamera mit einem Fischauge-Objektiv, welches den ganzen Himmel abbilden kann. Diese «AllSky-Kamera» liefert alle fünf Minuten bei jedem Wetter und zu jeder Tages- und Nachtzeit eine 360-Grad-Aufnahme des Himmels auf dem Gornergrat. Diese Bilder stehen auf dem Portal, sowie auf der allgemein zugänglichen Webseite zur Verfügung. Damit lassen sich tägliche Bewegungen wie die Erdrotation, aber auch den Orbit der Erde um die Sonne veranschaulichen, genauso wie die Eigenbewegungen der Planeten relativ zu den Sternen.

Lehrerweiterbildung geplant

«Hochkomplexe Systeme wie das Stellarium Gornergrat sind natürlich nie zu Ende entwickelt», sagt Riesen. Nun sollen aber Schweizer Lehrpersonen anfangen, dieses Angebot aktiv zu nutzen. Aufgrund der gesammelten Erfahrungen soll das Angebot weiter verbessert werden. Das CSH bietet dabei Unterstützung bei der Nutzung an: in der deutschsprachigen sowie der französisch sprechenden Schweiz werden regelmässig offizielle Weiterbildungskurse durchgeführt, in denen die Aktivitäten des Stellarium Gornergrat erklärt und praktisch durchgespielt werden. Die Inhalte auf dem Portal gibt es zur Zeit in Deutsch und Französisch, Übersetzungen in die Sprachen Englisch und Italienisch sind geplant. Der Schwierigkeitsgrad der Aktivitäten ist in vier Niveaus aufgeteilt, von der 5. Klasse Primarschule, via Sekundarstufe I und II zum ersten Jahr Studium.

01.06.2017