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Die «Dialäkt App» gibt es nun auch auf Englisch

Sie wurde in der Deutschschweiz über 88'000 mal heruntergeladen und führte zu weiteren Spracherkennungs-Apps: die «Dialäkt App», die den Dialekt des Benutzers verortet. Nun gibt es sie auch für Engländer. Sie heisst «English Dialects» und wurde von den Universitäten Bern, Zürich und Cambridge gemeinsam entwickelt.

Der grosse Erfolg der Deutschschweizer Apps, die anhand von Begriffen wie «Bütschgi» die Herkunft der Benutzerinnen und Benutzer erraten, führt nun zu einer Neuauflage im Englischen. Anhand von 26 Wörtern soll die neue App «English Dialects» regionale englische Akzente erkennen und Sprachforschern der Universität Cambridge und Bern dabei helfen, die Änderungen und Entwicklung englischer Dialekte nachzuverfolgen. Analog zu den Deutschschweizer Apps errät «English Dialects» anhand der Aussprache von 26 verschiedenen Begriffen die Herkunft der Benutzerinnen und Benutzer. Diese werden auch ermuntert, Sprachaufnahmen zu machen, um mit ihrem Einverständnis den Forschenden Hinweise darüber zu liefern, inwiefern sich englische Dialekte in den vergangenen 60 Jahren verändert haben.

So helfen wie schon beim schweizerischen Vorgänger alle Interessierten, Daten für die Dialektforschung zu sammeln. Die App entstand in einer Zusammenarbeit eines Berner Teams um Prof. David Britain vom Institut für Englische Sprachen und Literaturen der Universität Bern mit Kollegen in Zürich und Cambridge. Sie ist nun im App Store und Google Play gratis erhältlich.

Dialektforschung per Smartphone

Die Forschenden erhoffen sich Kenntnisse darüber, inwiefern sich englische Dialekte ausgebreitet oder verändert haben – oder eingegangen sind. Die erste grossflächige Dokumentation englischer Dialekte ist bereits über 60 Jahre alt und wurde an rund 300 Orten in ganz England hauptsächlich bei Bauern erhoben. Dieses historische Material diente den Forschenden für die App, welche nun zeigen soll, wie sich die Akzente und Dialekte im 21. Jahrhundert entwickelt haben. Je mehr Benutzerinnen und Benutzer bei diesem Crowdsourcing-Projekt mitmachen, desto präziser wird die App Dialekte erkennen können. «Wir hoffen, dass die App die Begeisterung der Leute für Dialekte nutzen kann und uns so ermöglicht, ein aktuelleres Bild davon zu zeichnen, wie die englischen Dialekte landesweit verbreitet sind», sagt David Britain.

Der Berner Sprachwissenschafter Dr. Adrian Leemann, jetzt am Department of Theoretical and Applied Linguistics der Universität Cambridge, ergänzt: «Unsere Dialektforschung mittels Smartphone hat neue Horizonte für die Analyse von Sprachveränderungen eröffnet.» So haben sich bei der Schweizer Version rund 70’000 Benutzerinnen und Benutzer beteiligt. Die Auswertungen zeigten, dass phonetische Variablen (zum Beispiel «schneie» oder «schniie») über die Zeit relativ stabil blieben, während lexikalische Variablen (ob man «Bütschgi» oder «Gröibschi» für Apfelüberreste sagt), sich starker verändert haben.

Es waren auch deutliche geografische Unterschiede zu erkennen – zum Beispiel sprechen Bewohner einiger Regionen immer noch schneller als andere. Die Forschenden um Britain und Leemann haben nun das Ziel, mittels englischer Daten ähnliche Erkenntnisse zur Sprache zu gewinnen. Die Ergebnisse der Deutschschweizer Dialekt-Studien wurden letzte Woche im Journal PLOS ONE publiziert.

 

Angaben zur Publikation:

Adrian Leemann , Marie-José Kolly, Ross Purves, David Britain, Elvira Glaser: Crowdsourcing Language Change with Smartphone Applications. Published: January 4, 2016DOI: 10.1371/journal.pone.0143060
http://bit.ly/1R98WQ0

11.01.2016