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Afrikanische Amouren: Wilfried N’Sondé ist sechster Friedrich Dürrenmatt Gastprofessor

Die «Friedrich Dürrenmatt Gastprofessur für Weltliteratur» an der Universität Bern übernimmt im Herbstsemester 2016 der frankophone Schriftsteller Wilfried N’Sondé. Er bietet ein wöchentliches Seminar über das Thema der Liebe in der Literatur afrikanisch-stämmiger Autorinnen und Autoren an.

Geboren 1968 im Kongo, lebt Wilfried N’Sondé heute in Paris. Er schreibt Französisch – und spricht ausgezeichnet Deutsch, seit er einige Zeit in Berlin verbracht hat. Bereits während seines Politologie-Studiums an der Sorbonne begann N’Sondé, Gedichte und Kurzprosa zu verfassen. Nach ausgedehnten Reisen in Europa gelang ihm 2007 mit seinem Debütroman Le Cœur des enfants léopards der Durchbruch. In gleichermassen präziser wie poetischer Sprache schildert N’Sondé hier die Identitätskrise eines jungen afrikanischen Immigranten in Paris. Der Roman wurde mit dem «Prix Senghor» und mit dem «Prix des cinq continents de la francophonie» ausgezeichnet, als Theaterstück inszeniert und 2008 ins Deutsche (Das Herz der Leopardenkinder) übersetzt. Auch eine englische, eine italienische und eine koreanische Übersetzung liegen vor.

Seither hat Wilfried N’Sondé drei weitere Romane im renommierten Verlag Actes Sud veröffentlicht: Le silence des esprits (2010) schildert die folgenreiche Begegnung eines afrikanischen Sans-Papier in einem Vorort-Zug. Der Bildungsroman Fleur de béton (2012) erzählt vom «Erblühen» eines Mädchens aus der Provinz und aus schwierigen Verhältnissen. Der neueste Roman, Berlinoise (2015), folgt zwei jungen Männern aus Frankreich im Dezember 1989 nach Berlin. Die Grossstadt bietet die Kulisse für eine sinnliche Liebesgeschichte, wie sie sich nur in der utopischen Wende-Zeit ereignen konnte. Mit Orage sur le Tanganyika (2011), inspiriert von einer Burundi-Reise, und Septembre d’or (2014) verfasste N’Sondé ausserdem zwei Erzählungen, die als Schulbuch für Französisch-Lernende erschienen sind, letzteres im deutschen Ernst Klett Verlag mit CD.

Auch musikalisch versiert

Wilfried N’Sondé ist auch Musiker. Sein Gedichtband Amours et larmes d’exil (2015), der im Schweizer Verlag Editions d’en bas erschien, wurde von einer Musik-CD begleitet. Als Komponist, Sänger und Gitarrist und gemeinsam mit seinem Bruder Serge arrangiert N’Sondé seine Poesie in einer multikulturellen Mélange aus Blues, Afro-Punk, Folk und Slam Poetry. In seiner Musik wie in seiner Literatur, bei seinen Konzerten wie bei seinen Lesungen gibt Wilfried N’Sondé Migrantinnen und Migranten eine Stimme.

Von Mitte September bis Dezember 2016 wird Wilfried N’Sondé an der Universität Bern zu Gast sein und ein wöchentliches Seminar über das Thema der Liebe in der Literatur afrikanisch-stämmiger Schriftstellerinnen und Schriftsteller geben: «L’érotisme chez les auteurs afro-descendants». Autorinnen und Autoren aus Afrika, so die Hypothese des Kurses, schreiben nicht immer ausdrücklich über Migration oder Politik, wie man es im Westen erwarten könnte, sondern sie tun dies oft indirekt über das Medium von Liebesbeziehungen.

Öffentliche Vorlesung:

26. Oktober 2016, Zeit: 18.30 Uhr

Hallersaal, Burgerbibliothek Bern, Münstergasse 63, 3000 Bern 8

30.06.2016