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Immunologin erhält Forschungspreis 2009

Der mit CHF 30’000.- dotierte Forschungspreis geht dieses Jahr an Dr. Caroline Coisne vom Theodor-Kocher-Institut. Sie zeigte mittels Videomikroskopie, wie das Medikament Natalizumab (Tysabri®) im Organismus wirkt.

Natalizumab wird eingesetzt, um Multiple Sklerose (MS) zu behandeln. Bei dieser Autoimmunerkrankung greifen die T-Zellen des Immunsystems das zentrale Nervensystem (ZNS) an. Mit Hilfe eines Moleküls, das sich auf der Oberfläche der T Zellen befindet, docken diese an der Blut-Hirn-Schranke an – einer physiologischen Barriere, die das Gehirn vor Krankheitserregern schützt. Im ZNS starten die T-Zellen ihren Angriff auf die Isolationsschicht der Nervenzellen und lösen so das für die Multiple Sklerose typische klinische Erscheinungsbild aus. Caroline Coisne stellte in einer erster Untersuchung fest: Natalizumab blockiert erfolgreich das Molekül und hindert somit die T-Zellen daran, ins ZNS einzudringen. Unbekannt ist jedoch, ob das Medikament auch die Einwanderung anderer Immunzellen hemmt. Caroline Coisne möchte nun mittels Live-Videomikroskopie die Einwanderung weiterer Immunzellpopulationen in das ZNS untersuchen. Ihr Ziel ist es, nur die MS-verursachenden Immunzellen an der Passage der Blut-Hirn-Schranke zu hindern, während andere Immunzellen, welche die Immunüberwachung des ZNS sicherstellen, in ihrer Einwanderung nicht eingeschränkt werden sollen. Mit diesem Wissen liessen sich spezifischere und sicherere MS-Therapien ableiten.

Dr. Caroline Coisne arbeitet seit 2005 unter der Leitung von Prof. Dr. Britta Engelhardt als Postdoktorandin am Theodor-Kocher-Institut. Ihre Doktorarbeit schrieb sie an der University of Artois, Lens. Hier unterrichtete sie zwischen 2001 und 2005 Bachelor- und Masterstudenten in Zellbiologie und Humanphysiologie. Sie ist Mitglied des «Bern Immunology Club» (BIC).

Förderungspreise in der Höhe von je CHF 2'000.- 

Der diesjährige DKF-Preis für die beste klinische Arbeit wurde an Dr. med. Steffen Gloekler, Universitätsklinik für Kardiologie, Inselspital, verliehen für das Forschungsprojekt «Promotion of coronary colleteral growth by external counterpulsation in patients with coronary artery disease».

Ziel des Forschungsprojekts ist es, die Herzmuskeldurchblutung durch «Pumphosen» zu verbessern: Die Herzmuskeldurchblutung ist bei einem Herzinfarkt aufgrund der Blockade einer Herzkranzarterie unterbrochen. Bereits vor dem Arterienverschluss bestehende Umgehungsgefässe ermöglichen, dass der Infarkt klein bleibt oder gar nicht auftritt. Erst wenn die Umgehungsgefässe zu eng sind, kann es zu einer Schädigung des Herzmuskels oder zum Herzinfarkt kommen. Die Forschergruppe um Steffen Gloeker fand nun heraus, dass pulssynchrones «Pumpen» der Beine von unten nach oben durch Manschetten die Umgehungsgefässe wachsen lässt.

Der Preis für die beste Arbeit in der präklinischen Forschung ging dieses Jahr an Dr. sc. Emma C. Slack, Universitätsklinik für Viszerale Chirurgie und Medizin, Bereich Gastroenterologie, Inselspital, für ihre Arbeit «Primary innate immunodeficiency in inflammatory bowel diseases».

Im menschlichen Darm sind Billiarden von Bakterien angesiedelt. Normalerweise lösen diese keine Krankheiten aus. Emma Slack fand heraus, dass diese Bakterien regelmässig vom Darm in den Körper eindringen. Die Bakterien werden durch unser Immunsystem getötet. Bei einer Immunschwäche – zum Beispiel Morbus Crohn – funktioniert dieser Mechanismus jedoch schlecht und es werden chronische Entzündungen ausgelöst.

Der Preis für die beste Arbeit eines Medizinstudenten ging dieses Jahr an Emanuel Bührer, Universitätsklinik für Medizinische Onkologie, Inselspital, für seine Arbeit «Inhibition of microRNAs 143 and 145 contributes to the pathogenesis of acute promyelocytic leukemia».

Bei Leukämie-Patienten ist die Entwicklung von Blutzellen gestört. Um neue Therapieansätze zur Behandlung von Leukämie zu etablieren, müssen die Ursachen dieses Entwicklungsstopps herausgefunden werden. In seiner Studie befasste sich der Preisträger mit einer noch wenig erforschten Gruppe von kleinen Molekülen (Mikro-RNAs), die für die Regulation von Genen wichtig sind. Es ist erwiesen, dass zwischen den Mikro-RNAs, die fehlerhaft aktiviert sind, und der Krebsentstehung ein Zusammenhang besteht. Emanuel Bührer identifizierte nun neue Mikro-RNAs, die bei Leukämie-Patienten blockiert sind und deren Aktivierung dazu beiträgt, dass sich Blutzellen wieder normal entwickeln können.

Preis des Fonds für Preisarbeiten auf dem Gebiet der Diagnostik und Therapie 

Der 1. Preis in der Höhe von CHF 10’000.- wurde an Dr. med. Stefan Farese und Dr. med. Andreas Pasch, Forschungsgruppe Nephrologie/Hypertonie des Inselspitals Bern, verliehen für die Studie «Sodium thiosulfate prevents vascular calcifications in uremic rats».

Patienten mit Nierenerkrankungen haben eine deutlich geringere Lebenserwartung: Es wird vermutet, dass dies unter anderem mit starken Gefässverkalkungen zusammenhängt. Diese führen zu Durchblutungsstörungen, die einen Herzinfarkt oder Schlaganfall verursachen können. Deshalb wird intensiv nach Therapien geforscht, die Gefässverkalkungen verhindern. Die Berner Forschenden untersuchten ein Medikament (Thiosulfat), das in Einzelfällen bereits bei Hautverkalkungen erfolgreich angewendet wurde. Die Preisträger stellten sich die Frage, ob dieses altbekannte Medikament auch Gefässverkalkungen verhindern könne. Wie ihre Untersuchung ergab, hat Thiosulfat tatsächlich diese Wirkung. Damit kann ein seit Jahrzehnten bekanntes Medikament nun neu eingesetzt werden.

Der 2. Preis in der Höhe von CHF 6’000.- ging an Prof. Dr. Lorenzo Alberio, Universitätsklinik für Hämatologie und Hämatologisches Zentrallabor. Er erhielt den Preis für die Studie «Dosing lepirudin in patients with heparin-induced thrombocytopenia and normal or impaired renal function: a single-center experience with 68 patients».

Eine gravierende Nebenwirkung des blutverdünnenden Medikaments Heparin ist paradoxerweise die schwere Verstopfung von Venen und Arterien durch Blutgerinnung. Diese kann zu Amputationen und zum Tod führen. Um dieser Gefahr vorzubeugen, muss die Blutverdünnung mit «alternativen» Medikamenten fortgesetzt werden. Eines dieser Medikamente ist der Gerinnungshemmer Lepirudin. Wie das Forschungsteam um Lorenzo Alberio herausfand, führt dessen vorgeschriebene Dosierung jedoch häufig zu Blutungskomplikationen. Die Forschenden ermittelten die optimale Dosierung und ermöglichen dadurch eine sichere und wirksame Behandlung mit Lepirudin.

10.11.2009